Vorzeitig verlängert
Andreas Wulff bleibt bis 2026 Geschäftsführer der Stadtwerke
BRUNSBÜTTEL
Vorzeitige Vertragsverlängerungen sind meist aus dem Sport bekannt, wenn besonders wertvolle Athleten gehalten werden sollen. Andreas Wulff ist zwar kein Spitzensportler, dennoch darf sich der Geschäftsführer der Stadtwerke über eine Verlängerung seines Beschäftigungsverhältnisses freuen. Einstimmig hat der Aufsichtsrat der Stadtwerke Brunsbüttel (SWB) einer vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2026 zugestimmt. Gestern Morgen haben Wulff und der SBW-Aufsichtsratsvorsitzende Michael Kunkowski ihre Unterschriften unter das Dokument gesetzt.
Aus der kleinen GmbH hat der studierte Betriebswirtler in den vergangenen Jahren ein stabiles Unternehmen aufgebaut. Der 39-Jährige erinnert sich an seine Anfänge im Jahr 2011. „ Die GmbH war drei Jahre zuvor gegründet worden. Ich kam hier an und hatte Büroräume im Rathaus und eine Mitarbeiterin“, so Wulff. Aus der einen Mitarbeiterin sind in den vergangenen neun Jahren 200 geworden – dank der neuen Gesellschafter- Rolle bei den Stadtwerken Steinburg.
Gerade einmal fünfeinhalb Jahre Berufserfahrung hatte Wulff, als er 2011 den Posten als Geschäftsführer in Brunsbüttel annahm. „Zuvor war ich bei den Stadtwerken Eckernförde und später bei einem Versorgungsbetrieb in Kronshagen. Für mich war aber immer klar, dass ich in der ersten Reihe Verantwortung übernehmen will.“ So zögerte er auch nicht lange, als ihm ein Personalvermittler die Position in Brunsbüttel vorschlug. „Auf der grünen Wiese“ habe er das Unternehmen aufgebaut, wobei er immer Rückendeckung von der Politik hatte. So mussten die Stadtwerke beispielsweise in den vergangenen Jahren ihre Gewinne nicht an die Stadt Brunsbüttel abführen. Wulff war es somit möglich, das Geld in den Betrieb zu reinvestieren. Er nutzte seine Freiheiten und mietete an der Eddelaker Straße Geschäftsräume an, um dem Unternehmen ein eigenes Gesicht zu geben. Darüber hinaus ließ er ein Logo erarbeiten, das in den Farben Türkis und Bronze seither einen Wiedererkennungswert hat. Der Erfolg forderte allerdings auch einen großen persönlichen Einsatz. „In den ersten Monaten wohnte ich noch in Kiel und pendelte jeden Tag. Meine Tage begannen im Büro um 7.30 oder 8 Uhr und endeten um 23 Uhr.“
Seit 2016 sind die Stadtwerke Grundversorger in Brunsbüttel. Dorthin zu gelangen, war nicht ganz einfach. Klinkenputzen war angesagt. „Ich dachte damals, es wäre ein Selbstläufer, dass die Brunsbütteler zu ihren Stadtwerken kommen. Das war ein Irrtum, ich musste dicke Bretter bohren.“ Zwar standen die meisten Bürger der Idee der SWB positiv gegenüber. Aber der finale Schritt, bei seinem Energieanbieter zu kündigen und „rüberzuwechseln“, stellte sich als Herausforderung heraus. „Ich war bei Vereinssitzungen, bei jedem Stadtfest, wir standen bei Edeka Frauen und haben geworben.“ 2000 Kunden konnte Wulff in seinem ersten Jahr gewinnen. Heute sind es seinen Angaben zufolge mehr als 10 000. Weiterwachsen ist sein Ziel, wenngleich er weiß, dass dies nur moderat gelingen wird. „Auf dem Brunsbütteler Markt gibt es kaum noch Möglichkeiten. Deswegen wollen wir in die umliegenden Gemeinden.“ Er sei noch nicht fertig und habe für die Zukunft einiges vor, sagt Wulff, dem sich aufgrund der Partnerschaft mit den Stadtwerken Steinburg neue Möglichkeiten eröffnen. Digitalisierung und Nachhaltigkeit seien zentrale Themen der Zukunft.
Michael Kunkowski lobt die hohe Motivation des jungen Geschäftsführers: „Andreas Wulff war vom ersten Tag an mit seinem Wissen, seinem Netzwerk und seinen innovativen Ideen der richtige Mann. Daher war es keine Frage, dass Aufsichtsrat wie auch die Politik einstimmig für die Vertragsverlängerung votiert haben.“
Das Netzwerken hat Wulff nicht nur dabei geholfen, seine Stadtwerke gut zu positionieren, sondern auch, um sich in seiner Anfangszeit als Geschäftsführer zurechtzufinden. „Hier in Brunsbüttel war niemand, den ich um Rat fragen konnte. Ich kannte aber Geschäftsführer aus anderen Gemeinden, auf deren Meinung ich bis heute viel Wert lege.“
