Die Deutschen fürchten, dass sie der Kohleausstieg teuer zu stehen kommt. Einer Umfrage des Bonner Marktforschungsunternehmens EuPD Research zufolge erwarten 85 Prozent, dass das im Januar vom Bundeskabinett beschlossene Ausstiegsgesetz zu "stark steigenden Strompreisen" führen wird. 75 Prozent befürchteten eine zunehmende Abhängigkeit von Stromlieferungen aus dem Ausland. Immerhin zeigte sich die Hälfte der Befragten überzeugt, dass die Abschaltung aller Braun- und Steinkohlekraftwerke bis zum Jahr 2038 einen positiven Beitrag zu den Klimazielen leisten wird. Unterdessen hat die Umweltorganisation BUND am Mittwoch in Berlin gegen das neue Steinkohlekraftwerk Datteln 4 im Ruhrgebiet protestiert. Anlass war der Besuch der finnischen Ministerpräsidentin Sanna Marin im Kanzleramt von Angela Merkel (CDU). Helsinki müsse die Inbetriebnahme von Datteln 4 durch den künftigen Mehrheitseigner, den finnischen Staatskonzern Fortum, verhindern, forderten die Demonstranten. Lob für die Berliner Klimapolitik kam indes von der Internationalen Energieagentur IEA. Die eingeleitete Energiewende sei ein "eindrucksvoller Plan" zu einer hauptsächlich auf erneuerbare Träger gestützten Versorgung, lobte der IEA-Geschäftsführer Fatih Birol auf einer gemeinsamen Veranstaltung mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). In der kohlendioxidneutralen Elektrizitätserzeugung sei Deutschland besonders weit, doch müsse jetzt wieder verstärkt in den Ausbau der Windkraft an Land, in die Ertüchtigung ausgedienter Anlagen und in den Netzausbau investiert werden. Auch gelte es, die Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und die Akzeptanz in der Bevölkerung zu stärken. Deutschland müsse seine Gasversorgung diversifizieren und dafür sorgen, dass nach der Stromerzeugung jetzt auch der Verkehr und die Wärmeversorgung klimafreundlicher würden.