In Schleswig-Holstein: Für Photovoltaik geht die Sonne auf
KIEL
Die Stromgewinnung aus Sonne hat in Schleswig-Holstein 2019 gegenüber den Vorjahren an Dynamik gewonnen: Sie ist binnen Jahresfrist um sieben Prozent gestiegen. Der Zuwachs entspricht dem Strombedarf von rund 31 000 Haushalten. Das teilte die Schleswig-Holstein- Netz-AG auf Anfrage mit. Sie betreibt in mehr als 1000 Kommunen im nördlichsten Bundesland Strom- und Gasleitungen.
Darin speiste der Netzbetreiber im vergangenen Jahr 1505 Megawattpeak (MWp) aus Photovoltaikanlagen ein. Das sind 104 MWp mehr als ein Jahr zuvor. Von 2016 auf 2017 hatte die Zunahme nur bei 1,6 und von 2017 auf 2018 bei 2,9 Prozent gelegen. Experten führen den Solar-Boom darauf zurück, dass die Kosten für Photovoltaikanlagen innerhalb weniger Jahre um 80 Prozent gesunken sind. Ein Grund dafür ist, dass die Produktion größtenteils nach China verlagert worden ist.
Regional mit Abstand am stärksten fiel der Anstieg 2019 im Kreis Rendsburg- Eckernförde aus: Hier zog die Menge des eingespeisten Solarstroms von 2018 auf 2019 gleich um mehr als 30 Prozent an. Dahinter steht ein Plus von 36 auf 150 Megawatt (MW). In dem Kreis in der Landesmitte sind gleich mehrere Solarparks in Betrieb gegangen oder befinden sich gerade im Bau – unter anderem in Felde, Bredenbek, Kleinvollstedt und Mühlbrook. Sie sind von den Autobahnen A 7 oder A 210 zu sehen. Grund für die Lage: Entlang von Verkehrsachsen gelten privilegierte Vergütungsregelungen für Photovoltaik.
Einen überdurchschnittlichen Zuwachs bei Photovoltaik verbucht auch der Kreis Schleswig-Flensburg mit zehn Prozent: das bedeutet plus 36 auf 402 MW. Die Gesamtmenge ist fast nichts im Vergleich zur Hochburg Nordfriesland: Dort speiste die SH-Netz-AG 2412 MW aus Photovoltaik ein. Es gab jedoch nur noch einen schwachen Anstieg um 7 MW. Auf andere Weise sticht Pinneberg aus dem Regionenvergleich hervor: Es ist der einzige Kreis, in dem die angeschlossene Leistung aus Sonnenkraft größer ist als die aus Windkraft. Das Verhältnis beträgt 20 zu 16 MW.
Auch die neuen Zahlen der SH-Netz- AG spiegeln wider, dass der Windkraftausbau entgegen der Photovoltaik zum Erliegen gekommen ist: 2019 hat der Netzbetreiber erstmals weniger Windstrom eingespeist als in einem vorhergehenden Jahr. Das Minus beträgt 12 MW – die Gesamtmenge ging von 6462 auf 6450 MW zurück. Dahinter steckt, dass wegen der stockenden Regionalplanung des Landes im letzten Jahr kaum neue Windkraftanlagen genehmigt worden und zugleich einige alte Anlagen abgebaut worden sind. Unterm Strich bleibt die Bedeutung der Windenergie im Öko-Segment jedoch überragend: Aus ihr wurde sechsmal mehr Strom eingespeist als aus Photovoltaik.
