„Wir haben ein Bodenproblem“

Erstes Bürgergespräch mit Schillsdorfer und Rendswührener Bauern / Es soll eine weitere Auflage geben

BOKHORST

Das war neu: Die Schillsdorfer Landwirte Thomas Prien, Hans-Henning Möllhoff und Heiner Staggen aus Rendswühren haben Bürger zu einem Gespräch über „Landwirtschaft heute und morgen“ eingeladen. 50 Gäste diskutierten im Bokhorster Kirchengemeindehaus mit den drei Landwirten.

Die Idee: Die Landwirte wollten zeigen, dass sie nicht nur mit dem Trecker nach Hamburg, Kiel oder Berlin fahren, um ihrem Unmut und ihren Sorgen Gehör zu verschaffen, sondern auch ganz direkt vor den Türen ihrer Höfe das Gespräch mit den Menschen und damit den Verbrauchern suchen. Diese Gesprächsrunde ist abgesehen von einzelnen Aktivitäten oder Tagen des Offenen Hofes neu.

Die drei Männer versuchten zu vermitteln, dass die Bauern allein das Ruder nicht auf einen anderen Kurs drehen können. Für eine ökologischere Landwirtschaft müssen gesellschaftliche und politische Weichen gestellt werden, hieß es. „Wenn wir Unterstützung aus Gesellschaft und Politik erhalten, sind wir bereit, gemeinsam andere Wege zu gehen“, sagten die drei Landwirte.

Fragen gab es viele – etwa nach den Nitrat-, Phosphat- oder Pflanzenschutzmittelrückständen im Grundwasser. „Ein schwieriges Thema, aber auch eines, bei dem Grundsatzfragen etwa nach den Richtwerten geklärt werden müssten“, meinte Hans-Henning Möllhoff. So liegt der aktuelle Grenzwert für Trinkwasser bei 50 Milligramm pro Liter, der von Salaten, Ruccola oder Mangold etwa zwischen 1000 und 5000 Milligramm pro Kilo.

Besonders in den Wintermonaten sei laut bayerischem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der Nitratgehalt in verschiedenen Gemüsen deutlich höher als in den Sommermonaten.

„Die Landwirtschaft hat ihren Anteil am Nitrateintrag in die Böden, ist allerdings auch keineswegs allein verantwortlich“, sagte Heiner Staggen, der auch Vorsitzender im Kreisbauernverband Plön ist. Unter anderem zählten marode Leitungsnetze und Klärwerksprobleme dazu. Nach Untersuchungen des Bundesumweltamtes in deutschen Modellregionen liegen die Werte besonders in Gebieten mit hohem Viehbestand über dem Schnitt. In anderen Regionen sinken die Nitratwerte trotz intensiver Landwirtschaft. „Hier muss noch einiges auf den Prüfstand“, waren sich die Landwirte einig.

„Wir haben kein Nitratproblem, sondern ein Bodenproblem“, sagte Hans- Henning Möllhoff zum Thema Bodeneinschwemmung von Düngemitteln. Besonders bei leichten Böden sei das Problem groß. Biolandwirt Dirk Kock-Rohwer aus Bönebüttel wollte das so nicht stehen lassen: „Nach aktuellen Zahlen wird erwartet, dass der jährliche Aufwand der Nitratfilterung in den Wasserwerken deutschlandweit rund 600 bis 700 Millionen Euro verschlingen wird. In aktuellen Untersuchungen wurden außerdem in 75 Prozent der 275 Wasserproben Pflanzenschutzmittelrückstände gefunden. Wir versauen uns unser Grundwasser“, schimpfte der Bönebütteler.

Kock-Rohwer betonte aber auch, dass das mit den aktuellen Preisen nicht hinzubekommen sei: „Hier irrt Ministerin Klöckner, wenn sie meint, das Problem allein mit einer weiteren Verschärfung der Düngeverordnung in den Griff zu bekommen.“

Der Demeter-Hofbetreiber mit Milchwirtschaft und Ackerbau erklärte sich bereit, in der nächsten Runde auf dem kleinen Bauernpodium in Schillsdorf dabei zu sein.