Schwimmen wird nicht teurer

Ausschuss lehnt Stadtwerke-Pläne ab – Vereine müssen für die Nutzung des Barmstedter Hallenbads nicht mehr zahlen als bisher

BARMSTEDT

Großes Aufatmen bei den Vereinen, die das Barmstedter Hallenbad nutzen: Anders, als von den Stadtwerken empfohlen, wird das Entgelt für die Nutzung des Schwimmbeckens nicht erhöht. Der Werkausschuss lehnte die Pläne während seiner jüngsten Sitzung einstimmig ab. Betroffen wären der BMTV, die DLRG und der TuS Hemdingen-Bilsen, die das Hallenbad montags, dienstags und mittwochs für ihre Trainingseinheiten und Schwimmausbildungen für mehr als 800 Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus Barmstedt und Umgebung nutzen. „Die notwendigen Rahmenbedingungen für unsere Arbeit müssen erhalten bleiben“, hatten die Vereinsvorsitzenden in einem Schreiben an die Stadtwerke gemahnt.

Die Erhöhung hätte es in sich gehabt: Pro „Bahn-Stunde“ – 45 Minuten für eine Bahn – sollte das Entgelt von 10,60 Euro auf 25,68 Euro angehoben werden. Das hätte die Vereine in arge Bedrängnis gebracht, wie Hörnerkirchens stellvertretender DLRG-Vorsitzender Michael Knecht während der Einwohnerfragestunde eindringlich ausgeführt hatte. „Das sind für uns bedrohliche Szenarien“, hatte er gesagt. Die DLRG biete ehrenamtlich Schwimmunterricht „auch für diejenigen an, die wenig Geld haben“. Sollten die Gebühren um 150 Prozent erhöht werden, „müssten wir die Mitgliedsbeiträge erhöhen“. Das habe allerdings „seine Grenzen“.

Die meisten der etwa 200 Mitglieder der DLRG Hörnerkirchen seien Kinder, die Schwimmen lernten, sagte Knecht – und unterstrich, wie wichtig das sei. „Soweit ich weiß, kann die Hälfte der Fünft- und Sechstklässler nicht richtig schwimmen. Das ist erschreckend.“ Die DLRG übernehme die Ausbildung zwar gern. „Aber wir brauchen dafür die Bahnen und müssen es auch finanzieren können.“

Stadtwerkeleiter Fred Freyermuth begründete die Forderung damit, dass die Hallenzeiten nicht effektiv genutzt würden. „Teilweise sind die Bahnen, die wir für die Vereine vorhalten, sogar leer.“ Dennoch müssten Fachkräfte als Aufsicht in der Halle sein, sagte er. „Und wenn dann keiner da ist, ist das erstens teuer, und außerdem kommt bei den Mitarbeitern Frust auf. Das ist nicht schön und auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels äußerst riskant.“ Hinzu kämen die hohen Personalkosten, denen zu wenig Einnahmen gegenüberstünden, so Freyermuth. „Woher kommt denn das hohe Defizit der Schwimmhalle? In den von den Vereinen kaum genutzten Zeiten könnten wir die Bahnen besser für unsere eigenen Kurse nutzen.“ Das brächte mehr Geld ein. „Auf unserer Warteliste stehen mehr als 300 Kinder, denen wir keinen Schwimmunterricht anbieten können, weil die Halle belegt ist“, sagte er. Das stoße bei den Eltern auf „großes Unverständnis“.

Dass die geplante Erhöhung sehr hoch sei, sei ihm bewusst, sagte Freyermuth. „Das ist zu viel, aber es wäre der kostendeckende Beitrag.“ Und die Vereine würden dadurch vielleicht „einen Anreiz bekommen, die Bahnen besser zu nutzen“. Die im vorigen Jahr vereinbarte Möglichkeit, Hallenzeiten untereinander zu tauschen, werde von den Vereinen jedenfalls kaum wahrgenommen, wie Hallenbad-Betriebsleiter Andy Fröhler berichtete. „Das wurde nur einmal gemacht.“ Es habe aber auch Grenzen, wie Klaus Siefke (FWB) zu bedenken gab. „Die Vereine haben ja zugesagt, über eine Verdichtung nachzudenken und weiter darüber zu beraten. Aber das geht nur in gewissen Rahmen – Kinder können zum Beispiel nicht abends unterrichtet werden.“ Auch die ehrenamtlich tätigen Trainer seien zeitlich nicht unbegrenzt flexibel, wie Marina Quoirin-Nebel (Grüne) und Ernst-Reimer Saß (CDU) betonten.

Freyermuth hielt dagegen, es sei nicht Aufgabe der Stadtwerke, die Vereine dauerhaft finanziell zu unterstützen. Vielmehr halte er die „vorsätzliche Reduzierung des Nutzungsentgelts unterhalb des kostendeckenden Betrags“ für eine Subventionierung der Vereine, die einer verdeckten Gewinnausschüttung gleichkomme. Das berge ein „hohes steuerliches Risiko“.

Die Politiker sprachen sich gleichwohl dafür aus, die Entgelte nicht zu erhöhen. „Zurzeit sollten wir das lassen“, sagte etwa Peter Gottschalk (FWB). „Und im Zweifel können wir es immer noch machen und die Mehrbelastungen für die Vereine dann über städtische Zuschüsse kompensieren.“ Dem Antrag der BALL, das Entgelt bei 10,60 Euro zu belassen, schlossen sich sieben Vertreter von FWB, SPD, Grünen und CDU an. Drei Vertreter von CDU und SPD enthielten sich.