Neue Technologie
Forscher testen E-Autos als „externe Batterie“
Lübecker Wissenschaftler entwickeln neues Ladesystem
Die Professoren Peter Franke und Martin Leucker von der Universität Lübeck arbeiten an einem „Rückwärtsgang“ für E-Ladesäulen. Elektroautos, so ihre Idee, könnten als „externe Batterie“ an Ladesäulen ihren Strom wieder zurück einspeisen. Mit dem Projekt ReNuBiL (Reallabor Nutzerzentriertes Bidirektionales Laden) wollen sie dieses neuartige System entwickeln. Künftige Carsharing- Flotten wie etwa von „Statt Auto“ könnten dann nicht nur mit überschüssigem Windstrom betankt werden, sondern ihren nicht benötigten Strom auch wieder abgeben. Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) übergab dafür gestern einen Förderbescheid über 800 000 Euro.
„Wir brauchen E-Fahrzeuge, die intelligent geladen werden, und dafür müssen wir viel erst einmal ausprobieren“, sagt Peter Franke, Professor am Institut für Multimediale und Interaktive Systeme (IMIS). Zunächst wird dafür eine Forschungsinfrastruktur auf dem Lübecker Campus geschaffen. „Mit dem Fördergeld schaffen wir zwei E-Ladesäulen und zwei Elektroautos an - einen Pkw und einen Kleintransporter - sowie einen Zwischenpuffer und Hardware“, erklärt Prof. Martin Leucker vom Institut für Softwaretechnik und Programmiersprachen (ISP). In etwa einem halben Jahr könne die Testphase starten. Statistiken zeigten, dass Autos viel stehen. In dieser Zeit könnten sie als „externe Batterie“ zum Beispiel den Strom für die Beleuchtung eines Uni-Hörsaals liefern. Nachts, wenn der Strom nicht mehr benötigt werde, könne das Auto dann wieder aufgeladen werden, um morgens fahrbereit zu sein. Firmen, die ihren Strom selbst produzieren über Solardächer oder Windanlagen, könnten ihre E-Autos in dieser Weise nutzen. „Wir wollen ein lebendiges Labor aufbauen. Alle Nutzer unseres Kooperationspartners ,Statt Auto‘ am Campus können mit diesen Autos fahren und liefern uns damit Daten“, erklärt Franke. Dadurch wolle man lernen, wie das „Laden in zwei Richtungen“ gestaltet werden muss, damit es angenommen wird. „Das Projekt läuft über drei Jahre, in denen wir verschiedene Szenarien erproben. Es soll offen für aktuelle Fragestellungen sein“, sagt Leucker. Man bringe Stromangebot und -nachfrage intelligenter zusammen. Franke: „Wissenschaftlich geht es um die spannende Kombination von Psychologie und Informatik.“
„Über solche Batteriespeicher auf vier Rädern könnten Verbrauchsspitzen in Unternehmen intelligent ausgeglichen werden und auch eine Menge Leitungen eingespart werden - ein riesiger Beitrag zur Energiewende“, schwärmte Wirtschaftsminister Buchholz. Neben größeren Unternehmen mit E-Fuhrpark und Ladesäulen kämen auch Hochschulen oder Behörden als Nutzer in Betracht.
