Es geht abwärts mit den Gaspreisen
Importeure bezahlen deutlich weniger – Doch die Verbraucher profitieren bisher kaum davon
FRANKFURT
Ein Überangebot und der milde Winter lassen die Erdgaspreise purzeln. Dadurch wird einerseits der Strom sauberer. Andererseits werden die Preise für die Haushalte sinken, allerdings kommt – wenn überhaupt – nur ein Teil der Verbilligungen bei den Verbrauchern an.
Die Richtung ist indes klar. Es geht abwärts mit den Gaspreisen. Nach den Zahlen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle war der Brennstoff, der nach Deutschland gepumpt wurde, schon im November 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent billiger. Danach gab es auf den europäischen Märkten weitere Abschläge. Niederländisches Gas, das als Bezugsgröße für den gesamten alten Kontinent dient, lag gerade auf dem niedrigsten Stand seit fünf Monaten. Analysten erwarten laut der Nachrichtenagentur Bloomberg ein weiteres Abrutschen der Notierungen um gut zehn Prozent in den nächsten Monaten.
Billiggas ist derzeit ein globales Phänomen. Mehrere Faktoren kommen zusammen. Russland hat in den vergangenen Monaten den Brennstoff so heftig wie niemals zuvor in die Pipelines gepumpt. Zugleich werden allenthalben – vor allem auf der arabischen Halbinsel und in den USA – Projekte mit verflüssigtem und auf minus 161 Grad tiefgekühltem Gas (LNG) angegangen, das mit Schiffen nach Europa und in den Rest der Welt verfrachtet wird.
Wettbewerb um Marktanteile
Dahinter steckt ein knallharter Wettbewerb um Marktanteile. Denn mit den Klimaschutzbestrebungen soll irgendwann auch aus der Erdgaswirtschaft ausgestiegen werden. Doch der fossile Brennstoff wird noch einige Jahre als eine Art Zwischenlösung benötigt, auch weil bei seiner Verbrennung erheblich weniger C02 als bei Braun- und Steinkohle, Heizöl, Diesel oder Benzin entsteht. Deshalb gilt es für die Manager, möglichst viel fossiles Methan, und zwar so lange wie möglich, loszuschlagen. Besonders aggressiv geht der russische Staatskonzern Gazprom die Sache an – der Etat der Regierung ist stark vom Energiegeschäft abhängig. Er kann billig anbieten und erweitert deshalb die Transportkapazitäten: mit der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream und einer neuen Rohrleitung durch das Schwarze Meer (Turkish Stream), die demnächst fertiggestellt werden soll. In das weitverzweigte europäische Leitungsnetz soll vermehrt auch LNG nach der sogenannten Regasifizierung gepumpt werden, das an einem der 26 europäischen Terminals angelandet wird. Die Abpumpanlagen sind derzeit laut Energieverband BDEW im Schnitt nur zu 40 Prozent ausgelastet. Gleichwohl sind weitere Terminals in Bau und Planung.
Und dann spielt auch noch das Wetter eine Rolle. Der bislang ungewöhnlich milde Winter hat zur Folge, dass die großen unterirdischen Gasspeicher in Europa noch randvoll sind. Das alles sind eigentlich gute Nachrichten für die Verbraucher. Doch die Preissenkungen kommen bei den Verbrauchern kaum an. Der BDEW hat errechnet, dass Erdgas derzeit zwischen 2,8 und 3,6 Prozent billiger als vor einem Jahr ist – abhängig davon, ob die Kunden in Einfamilien- oder Mehrfamilienhäusern leben. Das Verbraucherportal Verivox hat denn auch Kenntnis von 54 regionalen Gasanbietern, die die Preise in diesem Jahr um rund drei Prozent im Schnitt gesenkt haben. Im gleichen Zeitraum haben 62 Grundversorger aber Erhöhungen von rund vier Prozent angekündigt. Das hat einerseits damit zu tun, dass zu den Kosten für Beschaffung und Vertrieb auch Netzentgelte kommen, also Gebühren für die Nutzung der Leitungen. Da gab es zuletzt teils deutliche Verteuerungen.
Zudem bildet sich die aktuelle Gasschwemme erst einmal nur bei den Preisen für die kurzfristige Lieferung ab. Viele Versorger haben aber schon vor Jahren Lieferverträge abgeschlossen, und da spielt das Auf und Ab am Energiemarkt nur eine begrenzte Rolle.
