Lichtgeschwindigkeit für alle
Interview zum Breitbandausbau: Barmstedts Stadtwerke-Chef erläutert die Hintergründe zum geplanten Deal mit Kummerfeld
Breitband für alle? Zumindest haben die Stadtwerke Barmstedt die Gemeinde Kummerfeld bezüglich einer möglichen flächendeckenden Verlegung von Glasfaserkabeln für eine schnelle Internetverbindung im Ort kontaktiert. Laut Verwaltung wäre eine solche Versorgung möglich. Ob die Politik dem zustimmt, wird am Donnerstag, 13. Februar, in einer gemeinsamen Sitzung des Bau-, Wege- und Umweltausschusses und des Finanzausschusses entschieden. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Feuerwache, Bornbarg 16a. Fred Freyermuth, Werkleiter bei den Stadtwerken Barmstedt, erläutert im Interview mit Redakteurin Tanja Dirbach die Hintergründe.
Benötigen Sie die Zustimmung der Gemeinde für eine Verlegung der Glasfaserkabel in Kummerfeld?
Generell streben wir eine enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde an. In der Regel ist das auch gegeben, denn warum sollte sich eine Gemeinde diese besondere Chance der Zukunftsfähigkeit entgehen lassen. Zumal die Gemeinde und die Steuerzahler weder Geldmittel noch Risiko übernehmen müssen. Oft kommt es auch zu kombinierten Ausbauten, so dass wir zum Beispiel ein Kabel für eine zukünftige Straßenbeleuchtung mitverlegen oder gleichzeitig die Oberfläche des Gehweges auf gesamter Breite saniert wird. Rein formal bedarf es jedoch keines Vertrages, wie man es von den Gas-, Wasser und Stromkonzessionen her kennt.
Warum lohnt es sich für die Stadtwerke, die Netze in Kummerfeld zu verlegen?
Unser Vorteil ist, dass wir alles mit eigenem Personal bearbeiten können. Von der Planung, über den Tiefbau, den Kabelzug, die Montagen, die Inbetriebnahme und Wartung des Netzes mittels Einsatzbereitschaft. Auch die Telefon-, TV- und Internetprodukte managen wir selber aus unserem Rechenzentrum heraus. Wir sind schnell, flexibel und kostengünstig. Deshalb erschließen wir Bereiche, die für andere schwierig sind. Obwohl wir erst seit acht Jahren Glasfasernetze errichten und betreiben, schreiben wir in diesem Geschäftsbereich schwarze Zahlen.
Welche Netzgeschwindigkeit könnte erreicht werden?
Für Haushaltskunden bieten wir Produkte von 50 bis 500 Mbit/s an. Für Industriekunden gibt es alternativ auch individuelle Lösungen. Derzeit auch 1 Gbit/s bis 10 Gbit/s. Für Haushaltskunden ist das eher weniger geeignet. Neben den klassischen Produkten Telefon, TV und Internet gibt es insbesondere für Gewerbekunden auch Produkte aus unserem Rechenzentrum heraus. Zum Beispiel virtuelle Telefonanlagen, feste IP-Adressen, Cloudspeicher, Managed Backupsysteme, Exchange- Server et cetera. Das ist alles sehr speziell und individuell. Wichtig ist: alles im eigenen Rechenzentrum nach deutschem Recht.
Wird es eine Bedarfsermittlung vor Ort geben?
Nein. Wir haben mittlerweile 25 Gemeinden erschlossen und können sehr gut abschätzen, wie sich die Nachfrage entwickelt. Es wird einen sogenannten Vermarktungszeitraum geben, in welchem sich der Kunde für einen Anschluss entscheiden kann. Dann wird dieser Anschluss im Zuge der Erschließung mit hergestellt. Spätere Anschlüsse sind möglich, jedoch teurer, da neue Planungen erfolgen und unsere Tiefbau- und Montageteams extra anrücken müssen.
Sollte die Politik zustimmen: Wann würden die Arbeiten starten?
Der Ausbau der Gemeinde Kummerfeld ist in unserem Wirtschaftsplan für 2020 vorgesehen. Der Wirtschaftsplan wird am kommenden Montag in unserem Werkausschuss und am 18. Februar in der Stadtvertretung behandelt. Wird dem Wirtschaftsplan zugestimmt, können wir in diesem Jahr mit den Tiefbauarbeiten beginnen. Das haben wir für dieses Frühjahr vorgesehen. Nach dem Tiefbau sind dann die Kabelmontagearbeiten und die Hausanschlussmontagearbeiten erforderlich. Diese könnten dann Anfang des nächsten Jahres erfolgen, sodass Anfang 2021 die ersten Kunden ans Netz gehen können.
Welche Kosten kämen auf die Bürger und die Gemeinde zu?
Auf die Gemeinde kommen keine Kosten und vor allem auch kein Risiko zu. Das ist einer der wesentlichen Unterschiede gegenüber Zweckverbandslösungen. Dort trägt jede Gemeinde auch das Risiko, wenn die wirtschaftliche Anschluss-Quote nicht erreicht wird, die Kosten steigen oder Tiefbaufirmen in Verzug geraten etc. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir die gesamte Gemeinde erschließen werden. Zweckverbände, welche unter Zuhilfenahme von Fördermitteln agieren, dürfen nur die sogenannten weißen Flecken erschließen. Dadurch fallen regelmäßig große Teile der Gemeinde weg und es gibt sodann eine Zweiklassengesellschaft. Das wollen die Bürger und insbesondere die Bürgermeister natürlich nicht. Wir streben den Gesamtausbau der Gemeinde ohne Fördermittel an. Eine Adresse kann jedoch aufgrund ihrer Lage und den hohen Kosten nicht ohne weiteres erschlossen werden. Wir werden Kontakt mit dem Anwohner und der Gemeinde aufnehmen und das Gespräch suchen.
Gibt es weitere Kommunen, in denen Sie aktiv werden wollen?
Ja, es gibt weitere Gemeinden, die von sich aus uns angesprochen haben und Gemeinden, wo wir vorstellig geworden sind. In unserem Wirtschaftsplan stehen auch die Gemeinden Appen und Moorrege.
Wie hoch wäre die Summe in etwa, die in Kummerfeld investiert werden soll?
Zum einen hängt das stark von der Nachfrage ab, die Investition teilt sich auch auf zwei Wirtschaftspläne auf und darüber hinaus möchte ich aus Wettbewerbsgründen darüber keine Angaben machen.
