Kreishafen will Landstrom für alle anbieten
Bisher stehen 18 Stationen für Frachter am Kai
RENDSBURG
Landstrom? Im Kreishafen am Nord-Ostsee-Kanal in Rendsburg ist das keine Frage – aber nur für Binnenschiffe. Gästeschiffe mit Passagieren an Bord gehen leer aus. Denn wo sie anlegen, ist kein Stromkasten. Das soll sich ändern. Möglicherweise dauert das bis Mitte der 2020er-Jahre. Der Besuch des Traditionsschiffs „Cap San Diego“ im vergangenen Jahr war so etwas wie ein Schlüsselerlebnis für Kreishafen-Chef Dieter Daxenberger. Die Besatzung bat um Landstrom. „Wir sind froh, wenn unsere Kunden das bekommen, was sie haben möchten“, sagt der Hafenchef. Im Fall „Cap San Diego“ ging das nicht. „Es war technisch nicht möglich.“ Für Daxenberger war klar: „Wir müssen uns Gedanken machen.“ Zumal die Zahl der Passagierschiffe steigt, „75 bis 100“ waren es 2019. Diese Schiffe legen in der Regel außerhalb der eingezäunten Umschlagzone an. Im geschlossenen Bereich gibt es 18 Stromkästen für die Versorgung von Frachtern. Außerhalb: Fehlanzeige. Das soll sich ändern. Der Hafen strebe eine Kooperation mit den Stadtwerken Rendsburg an, erklärt Kai Lass, der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, zu der der Hafen gehört. Fragen sind zu klären: Können vorhandene Stromkabel genutzt beziehungsweise bis zu einer Übergabestation verlängert werden? Gibt es Fördermittel von EU, Bund und Land? Wann gibt es einheitliche Standards für die Versorgung von Passagierschiffen mit Landstrom? Denn jedes Schiff brauche eine andere Stromspannung, sagt Daxenberger. „Es muss ein einheitlicher Standard formuliert werden“, meint Lass. Er und Daxenberger wollen sich in den nächsten Tagen für ihr Anliegen einsetzen. Lass zusammen mit den Gesamtverband der Schleswig-Holsteinischen Häfen am kommenden Donnerstag beim parlamentarischen Frühstück mit Politikern und Ministern in Berlin. Daxenberger besucht zwei Wochen später eine Informationsrunde für einen nationalen Masterplan für maritime Technologie, zu dem der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe in den Hamburger Hafen einlädt. Beim Landstrom für Passagierschiffe „müssen wir langfristig denken“, formuliert Lass, „Richtung Mitte der 2020er Jahre“. Schneller soll es am Westrand des Hafens vor einem Eiscafé gehen. Da ist zusammen mit den Stadtwerken Rendsburg eine Stromtankstelle mit zwei Anschlüssen für Autos geplant. Im ersten Quartal des laufenden Jahrs solle es so weit sein. Eine Aufgabe erledigt ist im abgesperrten Hafenbereich, wo bis zu sechs Frachter gleichzeitig anlegen können. Alle 50 Meter stehen dort am Kai seit Jahren Stromkästen, 18 insgesamt. Sie können Frachter mit Landstrom versorgen. Die beiden gängigen Spannungen, 16 und 32 Ampere, sind im Angebot. Daxenberger: „Das liefern wir ohne Probleme.“ Mehr als die Hälfte der Schiffe nutze das. Meist seien es Kapitäne, denen ihr Schiff auch gehört. Daxenberger: „Die wollen ihre Ruhe haben und keinen Diesellärm.“ Dagegen laufe der Diesel für die Stromproduktion an Bord in der Regel dann, wenn der Kapitän Angestellter eines Reeders ist, der von dem Wummern nichts mitbekommt. Blick in die ferne Zukunft: „Wir denken über eine Wasserstofftankstelle für Schiffe nach“, erklärt Kai Lass, der Geschäftsführer der Kreis-Wirtschaftsförderungsgesellschaft. „Wir haben unsere Fühler ausgestreckt. Wir sind ganz vorsichtig in einer Sondierungsphase. Es ist noch in weiter Ferne.“
