Eutin: Neues Digital-Projekt soll Menschen Alltag erleichtern
Daten wie Lärmpegel und UV-Belastung sind bereits online abrufbar - Die Stadt will „Smart Region Lab“ werden und sich mit anderen Kommunen zusammentun
EUTIN
Die Stadt Eutin und die Stadtwerke haben sich nicht entmutigen lassen. Im Gegenteil. Nachdem ihre Bewerbung um eine Aufnahme in das Bundes-Förderprogramm „Smart City“ 2019 im ersten Anlauf gescheitert war, haben sie erst richtig losgelegt. Im Projekt „Smart Region Lab Eutin“ wollen sie sich mit anderen Kommunen und Unternehmen zusammentun - das Denken allein auf städtischer Ebene sei zu kurz. „Die Stadt Oldenburg, die Heiligenhafener Verkehrsbetriebe und die Stadtwerke Heiligenhafen werden mitmachen“, sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Marc Mißling bei der Vorstellung der Pläne.
„Die Anforderungen in der Region sind miteinander verknüpft. Wir sind deshalb gefordert, regional zu denken. Die Erweiterung von der ,Smart City’ zur ,Smart Region Lab Eutin’ ist eigentlich nur konsequent“, erklärte Mißling. Er geht davon aus, dass der Kreis der Beteiligten zügig wachsen wird. „Die Digitalisierung wird das Thema der Zukunft sein“, unterstrich auch Bürgermeister Carsten Behnk (parteilos). Er ist sich sicher: „Mit dem Projekt sind wir Trendsetter. Das wird man überregional wahrnehmen.“
Sensoren liefern die Informationen aus der Stadt
Wie hoch sind die Feinstaubbelastung, die UV-Belastung, der Lärmpegel in der Stadt? Das messen unter anderem bereits jetzt Sensoren auf dem Dach der Stadtwerke. Diese Werte können unter http://smartregion-eutin.de abgefragt werden. Dort sollen aber in Zukunft durchaus auch andere Dinge, die den Alltag leichter machen, ermittelt werden. Beispielsweise, ob es mehr freie Parkplätze am Stadtgraben oder am Segenhörn gibt. Das Projekt „Smart Region Lab Eutin“ könnte noch ganz andere Möglichkeiten eröffnen: Verkehrs- und Energieflüsse anders steuern, Sicherheitsbedürfnisse im öffentlichen Raum und im eigenen Heim erfüllen. Bürger könnten Behördengänge online erledigen und so erheblich Zeit sparen.
Straßenbeleuchtung per Handy-App steuern
Noch in diesem Jahr sollen die Stadtwerke die Straßenbeleuchtung von der Stadt übernehmen, sie auf LED-Technik umrüsten und die Laternen später um digitale Sensorik erweitern. Das würde es ermöglichen, die Straßenbeleuchtung per Bewegungsmelder oder Handy-App zu steuern. Damit ließe sich Strom sparen und es würde ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet.
Die Stadtwerke Eutin haben in den vergangenen Monaten ein sogenanntes Lo- Ra-Wan-Netz in Eutin und Umgebung eingerichtet. Der Name steht für „Long Range Wide Area Network“. Das Netz ermöglicht es, Daten über lange Strecken zu senden. Innerhalb des Netzes können mehrere hundert Sensoren verwaltet und die von ihnen geschickten Daten verarbeitet werden. Zentraler Baustein des Projektes „Smart Region Lab Eutin“ ist eine Datenplattform, die seit gestern in Eutin in Betrieb ist. Diese Technik ist seit Jahren erprobt. Weltstädte wie München, Wien, Barcelona nutzten sie für ihre „Smart City“-Lösungen, sagte Marc Mißling.
Know-how für ihr Projekt haben sich Stadt und Stadtwerke aus Lübeck dazugeholt: Sie arbeiten mit dem Cosa Kompetenzzentrum der Technischen Hochschule und der Smart City Operations GmbH zusammen. Prof. Horst Hellbrück, Leiter des Kompetenzzentrums, sagte: „Als Hochschule haben wir mit vielen Techniken zu tun. Es ist spannend, sie auch anzuwenden.“ Welche Daten erfasst werden sollen, wird im Lab (englisch für Labor) entwickelt werden. „Gebäude können auch nur für ein paar Monate mit Sensoren versehen werden, und dann prüft man, was eventuell optimiert werden kann“, sagte Hellbrück.
Daten liefern Hinweise zum Sparen - und zum Lüften
Wie „aus Daten Mehrwert generiert wird“ veranschaulichte Roman Spendler (Smart City Operations). Die Stadtwerke haben beispielsweise bei sich Raumqualitätssensoren installiert. Sie messen Temperatur, Luftfeuchte, CO2- Gehalt und nehmen Licht und Bewegung wahr. So weiß man, wenn ein Raum verlassen, aber das Licht nicht ausgeschaltet wurde - und kann reagieren. Sogar, wann die Blumen gegossen werden müssen, melden Sensoren. Er könne empfehlen, Klassenräume an Schulen mit CO2-Sensoren auszustatten, sagte Spendler. Sie zeigten an, wenn ein Wert von 1000 ppm (parts per million) erreicht werde und dringend gelüftet werden müsse. „Wir nennen das die Mief-Ampel“, sagte Spendler schmunzelnd.
Stadtwerke strecken Geld für das Projekt vor
Mit einem „niedrigen fünfstelligen Betrag“ sind die Stadtwerke nach Angaben ihres Geschäftsführers finanziell bei dem ersten Projektschritt „Smart Region Lab Eutin“ in Vorleistung gegangen. Er erhofft sich ebenso wie Eutins Bürgermeister Fördermittel von Land und Bund, „auch damit das Projekt größer wird“. Für die zweite Runde des „Modellprojektes Smart Cities Stadtentwicklung und Digitalisierung“ des Bundesinnenministeriums will sich Eutin ebenfalls erneut bewerben: Schließlich gibt es dort Millionen Fördergelder.
