Die Autobahn ist jetzt elektrifiziert

Auf der A1 bei Lübeck hat der Testbetrieb für den E-Highway begonnen – Fahrer der
Oberleitungs-Lkw sind zufrieden

REINFELD

Nach Hessen hat jetzt auch Schleswig-Holstein den Praxistest für den Elektro-Highway gestartet. Auf der Autobahn 1 zwischen Reinfeld und dem Autobahnkreuz Lübeck ist mehrmals täglich der erste Hybrid-Lkw einer Reinfelder Spedition unterwegs. Sein Ziel: der Lübecker Hafen. Dort sei der Sattelzug mit dem Stromabnehmer auf dem Dach des Fahrerhauses noch ein Exot, sagt Berufskraftfahrer Detlev Gramkow von der Spedition Bode. Sein Chef Marc-Philipp Bode erklärt: „Für eine Bewertung ist es noch zu früh, aber wir stehen diesem Versuch ganz offen gegenüber.“ Die A1 bei Lübeck ist eine von drei Teststrecken in Deutschland, auf denen ein Oberleitungssystem zur Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge erprobt werden soll. Eine zweite Teststrecke befindet sich auf der A5 in Hessen. Dort sind bereits seit Mai 2019 zwei Hybrid-Lkw unterwegs. Mit einer Zwischenauswertung sei vermutlich Mitte 2020 zu rechnen. Die dritte Teststrecke ist in Baden-Württemberg geplant. „An das etwas andere Fahrgefühl habe ich mich schnell gewöhnt“, sagt Kraftfahrer Gramkow, während sein Hybrid-Lastwagen fast lautlos vom Hof der Spedition im schleswig-holsteinischen Reinfeld rollt. „Nur der Moment, wenn der Stromabnehmer ausfährt und sich an die Oberleitung andockt, erfordert Konzentration“, sagt er. Unterstützt wird der Fahrer dabei von moderner Satellitentechnik. Das Fahrzeug erkennt, wenn es sich unter der Oberleitung befindet. Dann leuchtet auf der Armaturentafel ein grünes Lämpchen auf – und der auch Pantograf genannte Stromabnehmer fährt automatisch aus. „Jetzt fahren wir mit E-Antrieb, dabei wird die Batterie aufgeladen, so dass der Lkw auch ohne Oberleitung elektrisch fahren kann“, sagt Gramkow. Der 52-Jährige bringt häufig Sattelauflieger mit Lebensmittel zum Fährterminal Skandinavienkai in Lübeck-Travemünde. „Dort werde ich häufig von anderen Lkw-Fahrern auf meine Zugmaschine angesprochen. Sie fragen, was es denn mit den Auslegern auf dem Dach auf sich habe, und ob das mit dem elektrischen Fahren klappe“, berichtet er. Doch nicht immer funktioniert die Technik reibungslos. So war gestern Morgen einmal zwischenzeitlich der Strom weg. Ein kurzer Anruf in der Leitstelle habe aber genügt, um das Problem zu beheben, sagt Gramkow. Zur betriebswirtschaftlichen Bilanz kann Bode indes noch keine Aussage machen. „Wie viel Kraftstoff wir mit den Hybrid-Fahrzeuge einsparen und um wie viel sich unser Kohlendioxid-Ausstoß reduziert, wird sich in den nächsten Monate zeigen“, sagt er. Aber auf jeden Fall werde seine Firma weitere Hybrid-Lkw leasen. Denn: „Dieser Beitrag zum Klimaschutz wird auch unseren Kunden immer wichtiger“, sagt Bode.