Abzock-Vorwurf gegen Stadtwerke
Stadtwerke-Kunde: Wegen eines Fehlers und mangelnder Beratung habe er viel zu viel für seinen Strom zahlen müssen
HUSUM
Zocken die Stadtwerke Husum ihre Kunden mit Kalkül ab? Das wirft ihnen der Husumer Achim Hofmann in einem Schreiben vor, das unserer Zeitung vorliegt: „Sie haben mich ein Jahr mit meinem Vertrag über die Energie für die Wärmepumpe über den Tisch gezogen und ich habe dadurch zirka 1500 Euro mehr gezahlt, als ich bei jedem Anbieter (im übrigen auch bei den Stadtwerken selbst, nur in einem anderen Tarif) hätte zahlen müssen“, schreibt Hofmann an Stadtwerke-Chef Benn-Olaf Kretschmann.
Bei der Anmeldung habe man ihn beziehungsweise seine Frau automatisch in den teuersten Tarif für Wärmepumpen eingruppiert, sagt Hofmann. Nachdem er nun zu einem günstigeren Stromanbieter gewechselt sei, hätte man ihm im Call-Center der Stadtwerke bestätigt, dass er auch bei den Husumer Stadtwerken einen vergleichbaren Tarif hätte bekommen können. Man werde jedoch als „Newcomer“ automatisch in den teuersten Tarif eingestuft, sei ihm vermittelt worden, so Hofmann. „Das ärgert mich besonders, weil man nicht darauf hingewiesen oder gefragt wird, welchen Tarif man haben möchte“, erklärt der ungehaltene Kunde und fügt hinzu: „Aber es klänge auch komisch, wenn man gefragt würde: Möchten Sie Tarif X für 5100 Euro oder Tarif Y für 3300 Euro?“ Im Call-Center der Stadtwerke habe man ihm bestätigt, dass der einzige Unterschied zwischen den beiden Tarifen der Preis sei.
Auf Nachfrage unserer Zeitung heißt es von den Stadtwerken, dass sich Frau Hofmann nach ihrem Einzug nicht aktiv um ihren Stromlieferungsvertrag gekümmert habe: „Das ist der Grund, warum ihr Stromverbrauch nach den Allgemeinen Tarifen der Grundversorgung abgerechnet wurde. Wir haben Sie also nicht bewusst in einen ,teureren‘ Tarif eingeordnet. Fairness ist uns sehr wichtig.“
Grundsätzlich gebe es bei den Stadtwerken verschiedene Sondertarife und die sogenannte Grund- und Erstversorgung. Letztere sei vom Gesetzgeber definiert, „um zu gewährleisten, dass die Versorgung von Verbrauchern stets sichergestellt ist“.
Kunden, die nach Husum ziehen und nicht aktiv mit den Stadtwerken Kontakt aufnehmen, erhalten diese „etwas teurere“ Versorgung. „Etwas teurer“ sei der Strom bei der Grundversorgung deshalb, „weil der mit dem Lieferverhältnis verbundene Aufwand deutlich höher ist als bei Kunden, die über einen längeren Zeitraum Strom beziehen – von schlecht planbaren Liefermengen bis zu höheren Beschaffungs-, Mess- und Verwaltungskosten“, so die Stellungnahme der Stadtwerke. In jedem Fall würden die Kunden automatisch eine Vertragsbestätigung über die Grundversorgung erhalten. Im Zuge dessen werde in der Regel auch gleich ein günstigerer Tarif angeboten.
Bei den Hofmanns haben man zusätzlich noch einen Fehler beim zweiten Vertrag gemacht, bei dem es um die Wärmepumpe geht: Die Kennzeichnung, die angibt, dass es sich bei ihnen um Heizstrom-Abnehmer handelt, sei nicht übertragen worden, „deshalb wurden sie nicht als Heizstrom-Abnehmer erkannt“. Dann nämlich wären sie in einen günstigeren Tarif gerutscht. Von Seiten der Stadtwerke heißt es, die Hofmanns würden nun die Differenz zum günstigeren Tarif erstattet bekommen. Achim Hofmann findet, eine aktivere Kundenbetreuung, „von der man zeitnah zum Einzug über die möglichen Vor- und Nachteile Ihrer Stromtarife informiert wird“, hätte auch geholfen, schreibt er in seinem Brief an Kretschmann. Dann wäre es für ihn keine Frage gewesen, seinen Strom von einem lokalen Anbieter zu beziehen: „Aber bei einem Abzockerverein möchte keiner bleiben, auch nicht, wenn man grundsätzlich lokale Dienstleistungen vorzieht“, endet sein Schreiben.
