Deutsche Bahn macht Wasbek zum Solar-Pionier

Der erste Strom aus Sonne, den der Bahnkonzern direkt einspeist, kommt vom Stadtrand von Neumünster

WASBEK/BERLIN

Autofahrer auf der A 7 Richtung Süden werden bald hinter der Raststätte Aalbek bei Neumünster einen bundesweit einzigartigen Solarpark sehen: Es soll der erste werden, der Öko-Strom direkt ins Netz der Deutschen Bahn (DB) liefert und Züge antreibt. Das teilte DB-Vorstand Ronald Pofalla mit. „Wir gehen damit ganz neue Wege bei der Umsetzung unserer Strategie für den Klimaschutz.“

Die Ausdehnung wird der Größe von etwa 70 Fußballfeldern entsprechen. Die Nennleistung der Anlagen beziffert die DB auf 42 Megawatt. Sie sollen jährlich etwa 38 Gigawattstunden liefern. Damit zählt das Projekt nach Einschätzung von Fabian Faller, dem Geschäftsführer des Landesverbands Erneuerbare Energien, zu den größten angedachten Solarparks in Schleswig-Holstein. „Die Entscheidung der Bahn zeigt das Potenzial unseres Bundeslands für Photovoltaik. Die Sonnenscheindauer und die Ausbeutezahlen sind attraktiv“, sagt Faller.

Errichten und betreiben will den Solarpark auf dem Gebiet der Gemeinde Wasbek das Hamburger Photovoltaik- Unternehmen Enerparc. Es steht hinter mehr als 200 Projekten in 18 Ländern.

Auch in Schleswig-Holstein ist die Firma vielfach engagiert, darunter neben Wasbek ebenso in anderen Solarparks entlang der A 7 im Kreis Rendsburg- Eckernförde. Die Bahn hat mit Enerparc vertraglich besiegelt, sich 30 Jahre lang aus Wasbek beliefern zu lassen.

Mitentscheidend für den Standort war laut Bahn-Sprecher Roman Rühle die Nähe zum Umrichterwerk der DB in Neumünster. Durch die geringe Entfernung sei es möglich, den Strom dort kostengünstig für die 16,7-Hertz-Frequenz des Bahnnetzes umzuwandeln. Historisch bedingt arbeitet die Bahn mit weniger Schwingungen pro Sekunde als das öffentliche Netz.

Zwar speist die DB schon aus Wasserkraft in Süddeutschland regenerativen Strom direkt in ihr Netz ein. Der lässt sich jedoch konstanter beziehen als Solarstrom, der je nach Sonnenscheinstunden variiert. „In Wasbek können wir erstmals Erfahrungen mit einer so stark fluktuierenden Quelle sammeln.“ So beschreibt Jonas Reisert aus dem Beschaffungswesen bei DB Energie in Frankfurt das Besondere. „Es ist ein absolutes Erstlings-Projekt auch im europäischen Maßstab. Wir möchten uns damit ein Technologieführerschaft sichern.“

Das Pilotprojekt steht im Zusammenhang mit dem Bestreben der DB, den Ökostrom-Anteil von derzeit 60 bis 2030 auf 80 Prozent zu erhöhen. 2038 ist die völlige Klimaneutralität das Ziel. Die Gemeindevertretung hat die Pläne einstimmig abgesegnet. „Wir möchten damit unseren Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten“, sagt Wasbeks Bürgermeister Karl-Heinz Rohloff (CDU). Im Gegensatz zu potenziellen Windkraft-Flächen genieße der Solarpark „breite Akzeptanz der Einwohner“. Dank mehrerer Knicks werde er vom Ort aus im Sommerhalbjahr nicht wahrnehmbar sein. Die Flächen für die Photovoltaikanlagen befinden sich im Eigentum mehrerer Landwirte. Sie verpachten diese an Enerparc. Je nach Fortgang des Genehmigungsverfahrens durch Kreis und Land rechnen sowohl der Bürgermeister als auch die DB mit Aufstellung der Anlagen um den nächsten Jahreswechsel.

Energiewendeminister Jan-Philipp Albrecht (Grüne) freut sich schon, wenn es losgeht: „Direkter Ökostrom für emissionsarmen Verkehr auf der Schiene – das ist ein Best-Case-Szenario der Energie- und Mobilitätswende.“