Geisterstrom fast verdoppelt

Kosten durch das Abschalten von Windkraftanlagen schießen in die Höhe

BERLIN

Die Betreiber von Windparks an Land und auf See mussten ihre Anlagen in Schleswig-Holstein im ersten Quartal des abgelaufenen Jahres fast doppelt so oft abschalten wie im Jahr zuvor.

Knapp 1800 Gigawattstunden Strom konnten sie nicht erzeugen, weil sonst eine Überlastung der Netze im Norden gedroht hätte – das ist ein Quartalsrekord. In den ersten drei Monaten 2018 warten es nur gut 1000 Gigawattstunden, die ausfielen. Die für solchen nicht erzeugten „Geisterstrom“ gesetzlich eingeräumten und von den Stromkunden zu tragenden Entschädigungsansprüche der Windmüller stiegen im ersten Vierteljahr ebenfalls auf fast das doppelte und auf einen Rekordwert – von 108 Millionen Euro auf 191 Millionen. Das geht aus einem Bericht der Bundesnetzagentur in Bonn hervor.

Grund für den Anstieg ist laut Netzagentur vor allem der windreiche vergangene Winter. „Durch das erhöhte Windaufkommen“ seien die Abschaltungen von Rotoren auch bezogen auf ganz Deutschland im ersten Quartal 2019 „deutlich gestiegen“, schreibt die Behörde von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in ihrem Bericht. So hätten die bundesweiten Ausfallzahlungen von 364 Millionen Euro „auf dem bislang höchsten Quartalsniveau“ gelegen. Denn nicht nur in Schleswig-Holstein, auch in Niedersachsen ist die Menge des nicht erzeugten Geisterstroms auf einen Landesrekordwert gestiegen – von 570 Gigawattstunden auf fast 800. Die Entschädigungen stiegen dort von 88 Millionen Euro auf 116 Millionen.

Für die Windenergie-Kritiker vom Verein „Vernunftkraft“ zeigen die Rekorde beim Abschalten von Windrädern eine „dramatische Schieflage“ zwischen dem Zubau von Windrädern und dem Ausbau der „zwingend nötigen Infrastruktur“ wie Leitungen und Speichern. „Der weitere Zubau von Windkraftanlagen muss sofort gestoppt werden, da bilanziell jedes neue Windrad stillsteht und der Betreiber dafür noch kassiert“, forderte Schleswig-Holsteins Vernunftkraft- Chefin Susanne Kirchhof.

Dagegen sprach der Kieler Energieminister Jan Philipp Albrecht von einer „Momentaufnahme aufgrund besonders windstarker Monate“. Allerdings räumte der Grünen-Politiker ein, dass es „beim bundesweiten Netzausbau weiteren Handlungsbedarf gibt“. Schleswig-Holstein werde aber „als Vorreiterland weiterhin seine Hausaufgaben machen“. Dazu verwies Albrecht unter anderem auf den raschen Fortschritt beim Bau der Westküstenleitung. So soll noch im Januar die Baugenehmigung für den vierten Abschnitt zwischen Husum und Klixbüll erteilt werden.