Sven Hanson bleibt Chef – vorerst

Führungsstil-Vorwürfe gegen Stadtwerke-Boss: Noch immer keine Entscheidung über Arbeitsvertrags-Verlängerung

PINNEBERG

So sieht Solidarität à la Verdi aus: Mehr als 60 Stadtwerker aus Pinneberg und mehr als 20 Kollegen der umliegenden Versorgungsunternehmen wie Halstenbek, Barmstedt, Wedel, Steinburg und Elmshorn sowie Mitarbeiter der GAB standen zunächst vor dem Rathaus und drängten später in den kleinen Sitzungssaal. In Pinneberg tagte der Hauptausschuss am Mittwoch, der darüber beraten musste, ob der Vertrag von Stadtwerke- Chef Sven Hanson (Foto) ab 2021 um weitere fünf Jahre verlängert werden soll – oder ob er nächstes Jahr gehen muss. Bis kurz vor 23 Uhr wurde im nicht öffentlichen Teil debattiert, hieß es aus den Reihen der Teilnehmer.

Es gibt immer noch keine Entscheidung über eine Arbeitsvertrags-Verlängerung. Jetzt soll die Ratsversammlung am Donnerstag, 23. Januar, darüber abstimmen. Beginn im Rathaus ist um 18.30 Uhr. Das bestätigte gestern Hauptausschussvorsitzender Joachim Dreher (Grüne und Unabhängige). „Zu den Inhalten des Hauptausschusses möchte ich mich nicht äußern“, sagte Dreher auf Anfrage. Er berichtete jedoch, dass Sachkundige im Ausschuss angehört worden seien.

Wie berichtet, wird dem Stadtwerkechef vorgeworfen, seine Mitarbeiter massiv zu attackieren. „Dieser neue Führungsstil lichtet gerade die Reihen in der Arbeitnehmerschaft“, sagte Verdi- Sekretär Andreas Riedl. „Die komplette erste Führungsebene hat zwischenzeitlich Reißaus genommen oder ihr wurde gekündigt“, so Riedl, der auch als Sachverständiger am Mittwochabend zu Wort kam. Hanson selbst dementiert alle Vorwürfe und kann die Aufregung um seine Person nicht verstehen.

Riedl wurde gestern deutlicher: „Es ist bezeichnend, dass kein Stadtwerker, der auch Pinneberger Einwohner ist, das Rederecht in der Einwohnerfragestunde nutzte, obwohl der Saal so voll war, dass einige Besucher auch auf dem Gang stehen mussten“, sagte er. „Der Grund dafür ist, dass im Unternehmen ein Klima der Angst herrscht.“

Nun geht das Hickhack weiter: Laut Informationen unserer Zeitung hatte der Aufsichtsrat der Pinneberger Stadtwerke in der vergangenen Woche Hanson das Vertrauen ausgesprochen – allerdings mit einer knappen Vier-zu- Drei-Mehrheit. Am Mittwoch konnten sich die Kommunalpolitiker dann doch nicht einigen. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder entscheidet die Ratsversammlung direkt über den Verbleib von Hanson oder die Politiker vertagen den Beschluss – dann wäre der Hauptausschuss erneut zuständig. Im letzteren Fall müssten Hanson und der Aufsichtsrat vorher zustimmen, die Entscheidung um zwei Monate zu vertragen.

Was die Debatte noch mehr anheizt: Die Stadtverwaltung möchte mit Hanson nicht mehr weiter zusammenarbeiten. Zoff gab es zuletzt um die Bereitstellung des Löschwassers für die Feuerwehr. Laut Informationen unserer Zeitung soll sich Hanson in dieser Sache weiter querlegen – obwohl die Ratsversammlung ihn aufgefordert hat, vertraglich nachzubessern. Die Stadt äußerte sich auch gestern nicht dazu.

Und was sagt Stadtwerkechef Hanson? „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich grundsätzlich zu vertraulichen Themen aus Gremiensitzungen weder berichten noch kommentieren werde.“ Auch die Politik hält sich bis auf wenige Ausnahmen bei der Causa Hanson bedeckt. Dreher verwies auf die Fraktionssitzung in der nächsten Woche.

Florian Kirsch, Fraktionschef der CDU, hat ebenfalls noch Beratungsbedarf. „Wir haben uns noch nicht festgelegt“, sagte er.

Konkreter wurde da die Pinneberger SPD. „Herr Hanson ist ein guter Geschäftsführer, wenn man die Ergebnisse sieht“, sagte SPD-Fraktionschefin Angela Traboldt. Es gebe wohl Führungsschwächen, räumte sie ein. Traboldt empfahl, der Stadtwerkechef möge sich professionelle Hilfe wie Mediation und Coaching holen.

Für Uwe Lange, Fraktionschef der Bürgernahen, ist „das Tuch zerschnitten“. „Die Zusammenarbeit zwischen Hanson und der Belegschaft wird sich künftig nicht verbessern“, sagte er und deswegen werde er einer Vertragsverlängerung im Namen seiner Fraktion nicht zustimmen.

Die FDP ist hingegen noch in der Findungsphase. „Ich kann nichts Endgültiges sagen“, so FDP-Fraktionschef Werner Mende. Was die Sachverständigen im Ausschuss über Hanson gesagt hätten, sei für Mende allerdings „aussagekräftig“ gewesen.

„Offensichtlich – das hat uns das mir eingeräumte Rederecht im Ausschuss gezeigt – ist die Informationsgrundlage der Kommunalpolitiker auch in mancher Hinsicht nicht ausreichend“, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Riedl. Möglicherweise wäre diese besser, wenn die Stadtwerke ein Eigenbetrieb der Stadt wären und die Stadt einen Werkausschuss hätte, an dessen Sitzungen stets der Personalrat teilnähme, spekulierte er. „Das gern immer wieder aufgeworfene Thema einer Mediation zwischen Betriebsrat und Geschäftsführer halten wir für obsolet, da der Betriebsrat bereits 2018 bereit war, in eine Mediation zu gehen.“ Das sei von Hanson abgelehnt worden. Die große Zahl von über 60 Beschäftigten der Stadtwerke Pinneberg, die am Mittwoch vor und in das Rathaus in die Hauptausschusssitzung geströmt seien, habe überaus deutlich gemacht, dass es sich hier keineswegs um einen Konflikt zwischen dem Betriebsratsvorsitzenden und dem Geschäftsführer Hanson handele, sondern um einen Konflikt mit allen gesetzlichen und demokratisch legitimierten Arbeitnehmervertretern im Betriebsrat, Aufsichtsrat und in der Schwerbehindertenvertretung und der großen Mehrheit der Beschäftigten. „Spätestens seit gestern sollte das klar geworden sein.“