Gemeinsam Fahren sollte das Ziel sein

Studie der Kieler Uni: Geringe Auslastung beim Pkw auf dem Land – Bürger müssten Ängste
und Hemmnisse ablegen

NORTORF

Das Geographische Institut der Uni Kiel hat in Nortorf wegen der zentralen Lage im Land eine Studie zur Mobilität gestartet. Die Einstellungen der Bürger zum Auto als allein genutztem Verkehrsmittel und zu Transportalternativen werden abgefragt. Ergebnisse werden öffentlich vorgestellt. Klimaschutz, Umweltschutz und Verringerung der Verkehrsbelastung zählen zu den Auslösern für die Grundlagenforschung, die Dr. Jana Kühl vom Geographischen Institut der Christian- Albrechts-Universität Kiel (CAU) im April 2019 in Nortorf per Fragebogen begann. In zwölf Fragen geht es um Gewohnheiten bei der Auto-Nutzung und die Einstellung zu alternativen Transportmöglichkeiten. Eine Diskussionsrunde mit Schülern der Gemeinschaftsschule ist geplant. Die Ergebnisse werden den Stadtverordneten und der Öffentlichkeit vorgestellt. Nortorf wurde wegen seiner zentralen Lage im Mittelpunkt Schleswig-Holsteins und wegen seiner Größe ausgewählt. Schafflund ist das zweite Studienobjekt – wegen der geographischen Randlage und dem Dorfcharakter. Ziel der Basisforschung, die von der Gesellschaft für Energie- und Klimaschutz (EKSH) finanziert wird: tragfähige alternative Transportkonzepte zum bisher praktizierten Individualverkehr. „Gemeinsam fahren – das erfordert keinen Ausbau des ÖPNV, keine neue Infrastruktur“, erläutert Jana Kühl. Einzige Voraussetzung sei oft: eingefahrene Routinen ändern, Dinge anders machen. Das Auto ist im Moment Standard einer flexiblen Gesellschaft. Als ständig verfügbares Transportmittel ist es Werkzeug im Ablauf teils minutengenau getakteter Tage. „15 Minuten zusätzlich auf einen Mitfahrer-Kollegen zu warten, kann bei enger Termintaktung schon Stress beim Fahrer auslösen.“ Die Studie will Gründe für die Zurückhaltung der Bürger beim Konzept „Gemeinsam fahren“ offenlegen. Unbewusste Ängste, Vorbehalte und Befindlichkeiten sind Hemmnisse, hat Geographin Jana Kühl festgestellt. Das Mitnehmen von Männern etwa werde als risikoreicher eingestuft als von jungen Frauen. Ein deutlicher Unterschied von der eher anonymen Stadt zum überschaubaren Dorf sei bei der Bereitwilligkeit, sein Auto für Mitfahrer zu öffnen oder zuzusteigen, erkennbar: Kennen Fahrer und Mitfahrer sich aus einem Verein oder vom Sehen in der Siedlung, gebe es eine Vertrauensbasis. Senioren gaben bei der Umfrage an, einen Bürgerbus oder die Mitnahmebank eher ungern anzunehmen. „Sie wollen niemandem zur Last fallen und rufen bei einem Transportwunsch eher Verwandte an.“ Aktuelle Pendlerzahlen hat Henning Bergmann, Regionaler Mobilitätsmanager der Kielregion, nicht für Nortorf, aber für den Kreis Rendsburg-Eckernförde: 43092 Einpendler fahren laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit, die vom Unternehmen Kielregion für den Masterplan Mobilität 2017 verwendet wurde, zur Arbeit in den Kreis, 8500 davon kommen aus Kiel, weitere aus Neumünster und dem Kreis Plön. 23000 Auspendler aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde fahren größtenteils nach Kiel, Neumünster und Hamburg. „Neun von zehn Leuten fahren im Auto allein Arbeit, das ist seit 20 Jahren so“, sagt Henning Bergmann zur Statistik. Im Flächenland Schleswig-Holstein sei in ländlichen Regionen der Pkw oft das beste Verkehrsmittel. Gleichzeitig sei es, betrachte man die geringe Auslastung von 1,1 bis 1,3 Personen pro Auto bei Fahrten zur Arbeit, das uneffizienteste Verkehrsmittel, so Henning Bergmann.