E-Mobilität: Stadtwerke warnen

Werkleiter befürchtet Überlastung des Stromnetzes, wenn zu viele E-Autos gleichzeitig aufgeladen werden

BARMSTEDT

 Die zunehmende E-Mobilität macht Barmstedts Stadtwerkechef Fred Freyermuth (kleines Foto) Sorgen. Das Problem könnte das Aufladen werden, sagt er. „Wenn wir in Barmstedt zu viele E-Autos bekommen sollten, jeder sich eine eigene Ladestation anschafft und dann sein Auto nach Feierabend um 18.30 Uhr daran hängt, schafft unser Netz das nicht mehr. Denn gegen 18 Uhr ist der Stromverbrauch sowieso schon am höchsten.“ Zwar benötige ein einzelnes E-Auto für eine Ladung über 100 Kilometer nur 15 bis 24 Kilowattstunden (kWh), so Freyermuth – sollten aber mehrere tausend Fahrzeuge diese Menge zeitgleich abrufen, wäre das Netz überlastet.

Um das Problem zu lösen, gäbe es zwei Möglichkeiten, sagte Freyermuth. „Die erste ist: Wir bauen das Netz aus. Aber dann wäre der Strom so teuer, dass E-Mobilität wohl nicht mehr akzeptiert werden würde.“ Die zweite Möglichkeit sei daher aus seiner Sicht die sinnvollere, so der Stadtwerkechef: „Die Ladesäulen müssen zentral gesteuert werden – und zwar so, dass die Autos nacheinander über Nacht geladen werden.“ Um das zu gewährleisten, stellen die Stadtwerke allen interessierten E-Auto-Besitzern in Barmstedt kostenlos eine Ladesäule zur Verfügung, sagte Freyermuth. „Die Säulen werden dann zwischen 21 und 5 Uhr von uns stufenweise zentral angesteuert.“ Praktisch bedeute das, dass das Auto an die Station gehängt werde, aber erst aufgeladen werde, sobald die Freigabe erfolge. „Morgens ist es dann voll – und zwar zu den günstigen Nachttarifen“, so Freyermuth.

Ein Ladevorgang dauere derzeit etwa vier bis fünf Stunden, sagte Freyermuth. „Sollte aber jemand nach Hause kommen und das Auto zwei Stunden später noch einmal benötigen, kann man dafür einen Schnellladeknopf nutzen. Dann geht es wesentlich schneller.“

Das Angebot gebe es schon seit mehreren Monaten in Barmstedts Neubaugebieten, sagte Freyermuth. Bislang nutzten es zehn Kunden. „Wir gehen davon aus, dass es in ein paar Jahren mehr werden. Wir bieten es zum Beispiel gerade für die Neubauten am Nappenhorn und am Marktplatz an.“ Das kostenlose Angebot gelte aber auch für bestehende Häuser, betonte er. Dort müssten sich die Kunden allerdings an den Kosten für die Verlegung der Leitungen beteiligen.

Er glaube, dass sich die privaten Ladesäulen durchsetzen würden, weil sich die meisten Bürger eine Station zuhause wünschten, sagte Freyermuth. „Wer geht denn zum Einkaufen und lädt währenddessen sein Auto auf? Das macht kaum einer.“ Die drei öffentlichen Ladesäulen mit sechs Ladepunkten, die die Stadtwerke im Stadtgebiet – vor Aldi am Küsterkamp, an der Seestraße und am Weidkamp – aufgestellt haben, würden jedenfalls so gut wie nie frequentiert, sagte Freyermuth. „Es ist ein hochdefizitäres Geschäft.“

Insgesamt gibt es in Barmstedt laut Kreisverwaltung aktuell 52 E-Autos bei insgesamt 6209 Pkw – ein Anteil von 0,84 Prozent (siehe Infokasten). Wenn sich der Anteil innerhalb der nächsten zehn Jahr auf 25 Prozent erhöhe, „sind Sie gut“, hatte der Grünen-Landtagsabgeordnete Andreas Tietze während seines Besuchs beim Barmstedter Verkehrsforum im Dezember gesagt. Für Distanzen unter 100 Kilometer seien E-Autos bislang „die umweltfreundlichste Variante“, sagte er. Das träfe auf die meisten Fahrten zu, „denn 80 Prozent aller zurückgelegten Strecken sind weniger als 20 Kilometer weit“. Allerdings bestehe das Problem, dass das Stromnetz nicht dafür ausgelegt sei, Millionen von E-Autos zu versorgen, sagte Tietze. Er vermute daher, „dass es in Zukunft bei der Mobilität einen Energie- Mix aus synthetischen Kraftstoffen, Strom und Wasserstoff geben wird“, so der Verkehrsexperte.