Weiter Zoff um Stadtwerkechef Sven Hanson

Umstrittener Führungsstil: Aufsichtsrat spricht sich für eine Verlängerung des Arbeitsvertrags
aus / Bürgermeisterin soll dagegen sein

PINNEBERG

Damit hat wohl niemand gerechnet: Laut Informationen unserer Zeitung hat der Aufsichtsrat der Pinneberger Stadtwerke dem Chef des Unternehmens, Sven Hanson, das Vertrauen ausgesprochen – allerdings mit einer knappen Vier-zu-drei-Mehrheit. Zwei Vertreter von der CDU sowie ein Vertreter jeweils von SPD und Grünen sollen für eine Verlängerung des Arbeitsvertrags von Hanson gestimmt haben. Zwei Betriebsräte sowie Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) als stellvertretende Vorsitzende im Aufsichtsrat sollen dagegen votiert haben.

Konkret soll es in der Sitzung am Mittwoch darum gegangen sein, zu entscheiden, ob Hansons Arbeitsvertrag, der 2021 abläuft, um weitere fünf Jahre verlängert werden soll oder nicht. Der Aufsichtsrat gibt dem Hauptausschuss nun die Empfehlung, Hanson auf seinem Posten zu lassen.

„Dass es eine Empfehlung des Aufsichtsrats zum Geschäftsführer der Stadtwerke Pinneberg GmbH gibt, ist uns bekannt, jedoch nicht der Inhalt“, sagte gestern Verdi-Gewerkschaftssekretär Andreas Riedl. „Wenn der Aufsichtsrat sich für den Geschäftsführer Hanson verbürgt, dann ist das in Anbetracht der verbrannten Erde und der Spur an Verheerungen, die Herr Hanson bislang hinterlassen hat, sehr enttäuschend und in keiner Weise nachvollziehbar“, sagte er. Dieses Abstimmungsergebnis, das Hanson den Rücken stärkt, dürfte die Debatte um den Führungsstil des Stadtwerkechefs erneut anheizen.

Gewerkschaft übt Kritik am Führungsstil Es war die Gewerkschaft Verdi, die im Dezember den Stein ins Rollen gebracht hat. Der Chef der Stadtwerke soll massiv gegen Arbeitnehmervertreter vorgegangen sein und Abmahnungen wie Knöllchen verteilt haben, lauten die Vorwürfe der Gewerkschaft. Durch diesen neuen Führungsstil lichteten sich gerade die Reihen in der Arbeitnehmerschaft, führte Riedl aus. Und es kommt noch besser: „Aus gut informierten Kreisen haben wir erfahren, dass drei unterschiedliche Quellen bestätigt haben sollen, dass diese Woche auch der neue technische Leiter der Stadtwerke seine Eigenkündigung erklärt hat“, berichtete Riedl. Der Verschleiß an Beschäftigten bei den Stadtwerken sei bezeichnend und erschreckend und hätte eine völlig andere Reaktion des Aufsichtsrates zur Folge haben müssen. Insider sprechen von einem Krankheitsstand bei den Stadtwerken von 50 Prozent.

Hanson selbst bestreitet alle Vorwürfe vehement. „Die Stimmung bei uns im Unternehmen ist grundsätzlich gut. Man könnte sagen: Alle haben die Ärmel hochgekrempelt und packen mit an“, sagte er im Dezember auf Anfrage unserer Zeitung. Zum Abstimmungsergebnis wollte Hanson gestern nichts sagen: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich grundsätzlich zu vertraulichen Themen aus Aufsichtsratssitzungen weder berichten noch kommentieren werde“, sagte er.

„Kein Kommentar“, hieß es auch von Dietrich Drechsler (CDU), der bis heute noch Vorsitzender des Aufsichtsrats der Stadtwerke ist. Wie berichtet, legt er seinen Posten nieder, weil die Ratsversammlung im Dezember den Aufsichtsrat nicht einstimmig entlastet hatte. „Ich kann aber bestätigen, dass es eine Empfehlung an den Hauptausschuss gibt“, sagte Drechsler. Die Mitglieder wiederum würden eine Empfehlung an die Ratsversammlung aussprechen. Dort werde dann endgültig beschlossen, ob der Arbeitsvertrag von Hanson verlängert werde oder nicht.

Streit um Löschwasser für Feuerwehr Aus gut informierten Quellen hieß es, dass zwischen der Bürgermeisterin und dem Stadtwerkechef Eiszeit herrschen soll. Jüngst gab es Zoff um die Bereitstellung des Löschwassers für die Feuerwehr, das die Stadtwerke nicht zur Verfügung stellen wollte. In dieser Sache soll indes nachgebessert werden. Doch die Verwaltung gibt sich schmallippig: „Ich bitte um Verständnis, dass ich Entscheidungen des Aufsichtsrates der Stadtwerke GmbH nicht kommentieren werde“, ließ die Bürgermeisterin über ihre Sprecherin Maren Uschkurat mitteilen. „Ich möchte das nicht kommentieren“, sagte auch der Betriebsratsvorsitzende der Stadtwerke, Tobias Heilmann. Über das Abstimmungsergebnis im Aufsichtsrat war er nicht informiert worden. Weiter Öl ins Feuer dürfte allerdings diese Aussage von Riedl gießen: „In dieser Woche hat uns die E-Mail eines Arbeitnehmers erreicht, der im früheren Wirkungskreis von Herrn Hanson auf Norderney beschäftigt ist“, sagt Riedl. Dort war Hanson Geschäftsführer der Stadtwerke, der Flughafengesellschaft und der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Norderney. Hanson soll laut E-Mail in Norderney das Personal ähnlich wie in Pinneberg geführt haben. Von Abmahnungen, Drohungen und Mobbing sei die Rede. „Die Identität des Verfassers der Mail ist uns bekannt. Wir gehen davon aus, dass die Person und ihre Angaben authentisch sind“, führte der Verdi- Gewerkschaftssekretär aus. „Den Inhalt der Mail betrachten wir als eine weitere Bestätigung unserer Befürchtungen“, sagte Riedl.

Nächste Woche dürfte es im Hauptausschuss zur Sache gehen: Laut Informationen unserer Zeitung soll Steinberg eine Vorlage vorbereitet haben. Darin soll sie der Politik empfehlen, den Arbeitsvertrag mit Hanson nicht zu verlängern. Der Ausschuss am Mittwoch, 15. Januar, beginnt um 18.30 Uhr im Rathaus.