Automatisch den besten Stromtarif

Wechseldienste verwalten und organisieren den Übergang zu einem neuen Anbieter

BERLIN

Durch einen Wechsel des Stromanbieters kann viel Geld gespart werden. „Mindestens einmal im Jahr sollte der eigene Tarif überprüft werden“, rät Tiana Preuschoff von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Denn aktuell seien die Preise so hoch, dass es sich lohne, über einen Anbieterwechsel nachzudenken. Das kann man entweder eigenständig vornehmen oder man beauftragt einen Wechseldienst. „Diese kümmern sich jährlich um ein gutes und günstiges Tarifangebot und leiten den Wechsel ein“, sagt Marion Weitemeier von der Zeitschrift „Finanztest“.

Einmal beauftragt, schicken die auch als Tarifaufpasser bezeichneten Dienste rechtzeitig vor Ablauf der Kündigungsfrist neue Vorschläge. Denn oft steigen die Tarife nach einem Jahr, weil etwa nur im ersten Jahr ein hoher Bonus gewährt wird, sagt Weitemeier. Deshalb lohne es sich für Verbraucher meist, jährlich zu wechseln.

Je nach Dienst kommt der Wechsel erst nach Zustimmung des Kunden zustande oder der Dienst wechselt eigenständig, wenn man nicht innerhalb einer Frist widerspricht. Beide Verfahren sollen den Aufwand möglichst gering halten. Neun Anbieter hat „Finanztest“ mehr als ein Jahr lang untersucht. Das Ergebnis: Alle optimierten regelmäßig den Stromtarif und halfen somit beim Sparen.

Ein Versprechen der Wechseldienste schränkt Tiana Preuschoff von der Verbraucherzentrale Niedersachsen dagegen ein: „Es gibt nie den Fall, dass man sich um nichts kümmern muss.“ Untersuchungen hätten ergeben, dass doch immer noch irgendetwas im Auge behalten werden muss. Etwa wenn der Versorger während der Vertragslaufzeit eine Preiserhöhung per Post mitteilt und nicht per E-Mail. Denn dies bekomme der Wechseldienst nicht mit und muss deshalb vom Kunden informiert werden. Wenn sich nämlich die Vertragsbedingungen ändern, etwa der Preis, haben Verbraucher ein Sonderkündigungsrecht. Ansonsten können sie aus der Grundversorgung heraus jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen in einen anderen Stromtarif wechseln.

Andere Anbieter haben dagegen häufig eine feste Laufzeit von zwölf oder 24 Monaten. Ein Tarif- oder Anbieterwechsel ist dann nur zum Ende der vereinbarten Laufzeit möglich. Unternehmen Verbraucher nichts, können sich die Verträge automatisch um bis zu ein Jahr verlängern. Die Nutzung eines Wechseldienstes hält Preuschoff nicht für falsch, aber meistens für unnötig. Der allergünstigste Tarif könne nie garantiert werden. Das sei auch immer in den kleingedruckten Klauseln des Vertrages festgehalten. Trotzdem können die Tarifaufpasser ihrer Einschätzung nach für eine bestimmte Gruppe von Verbrauchern vorteilhaft sein. „Vor allem, wenn man sich selbst keinen Anbieterwechsel zutraut.“ Die meisten Dienste verlangen für ihre Arbeit 20 bis 30 Prozent des eingesparten Geldes. Der Anbieter Wechselpilot aus Hamburg etwa betrachtet die tatsächliche Ersparnis nach einem Jahr, erklärt Mitgründer Maximilian Both. Dann werden davon 20 Prozent berechnet. Bei Switchup aus Berlin zahlen Kunden nichts, sagt Mitarbeiterin Céline Iding, dafür wird vom jeweils neuen Anbieter eine Provision genommen.

Der Empfehlungsalgorithmus kenne dabei die Informationen über die Provision nicht, erklärt Iding. Daher würden auch Tarife ohne Provision empfohlen. Bei der „Finanztest“-Untersuchung schnitten Switchup und Wechselpilot zusammen mit den Anbietern Esave und Wechselstrom am besten ab.