Solidarität mit Stadtwerke-Chef
Nach Eklat um Führungsstil von Sven Hanson: Anonymes Schreiben sorgt für neue Irritationen
PINNEBERG
Für neue Aufregung im Streit um den Führungsstil von Pinnebergs Stadtwerke- Geschäftsführer Sven Hanson sorgt ein Schreiben, das vor Kurzem per E-Mail an unsere Zeitung geschickt wurde. Darin solidarisiert sich der Absender mit Hanson. Die E-Mail ist nicht unterzeichnet und der Verfasser ist nicht zu ermitteln – der Account scheint nur für diese Nachricht eingerichtet worden zu sein, die inhaltlich aber suggerieren soll, dass sie von der Belegschaft, konkret von Mitarbeitern und Führungskräften, versandt worden ist. „Viele Kolleginnen und Kollegen begrüßen es sehr, dass Herr Hanson als unser Geschäftsführer die Dinge in die richtigen Bahnen lenkt und wir gemeinsam mit ihm die verfolgten Ziele erreichen, auch wenn dies für manche ‚unbequem‘ ist“, heißt es lobend in der E-Mail.
Wie berichtet, hatte die Gewerkschaft Verdi in einem öffentlichen Schreiben Hanson kritisiert, er würde die Arbeitnehmervertreter massiv attackieren und Abmahnungen wie Knöllchen verteilen. Hanson selbst dementierte die Vorwürfe.
Wie schätzt der Stadtwerkechef das anonyme Schreiben ein? „Zustimmung dieser Art zu den in unserem Unternehmen angestoßenen und umgesetzten Modernisierungsprozessen bekommen wir auch hier im Unternehmen von allen Seiten. Der Inhalt des Schreibens überrascht mich deshalb nicht“, sagt Hanson auf Anfrage unserer Zeitung. Er halte die Nachricht für authentisch. „Ähnliche Stellungnahmen zu den in der E-Mail angesprochenen Punkten haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei uns auch am Schwarzen Brett aufgehängt“, erläutert er. Auch inhaltlich müsse der Text von jemandem verfasst worden sein, „der die Entwicklungen der zurückliegenden Monate aus der Innensicht unseres Unternehmens verfolgt hat“.
Unter anderem geht es bei den auch arbeitsrechtlichen Streitereien in den Stadtwerken um die Einführung eines neuen Arbeitszeitmodells: feste Arbeitszeiten statt Gleitarbeitszeiten. Der Betriebsrat wirft Hanson vor, nicht verhandlungsbereit gewesen zu sein und stattdessen die Einigungsstelle eingeschaltet zu haben.
Hanson widerspricht: „Der Betriebsrat wollte das Modell ‚6 Stunden arbeiten und 7,8 Stunden bezahlt bekommen‘ gern längerfristig etablieren und verzögerte die Verhandlungen über eine neue Betriebsvereinbarung.“ Als im Dezember 2018 – nach etwa anderthalb Jahren Verhandlungsdauer – immer noch keine Einigung erzielt werden konnte und der Betriebsrat auch nicht bereit war, eine Einigungsstelle einsetzen zu lassen, wie es gesetzlich im Fall einer Nichteinigung vorgesehen ist, hätten die Stadtwerke eine Einigungsstelle vom Arbeitsgericht einsetzen lassen, führt er aus.
Verdi-Gewerkschafter Andreas Riedl glaubt im Gegensatz zu Hanson nicht, dass das Schreiben aus den Reihen der Belegschaft kommt. „Es ist doch merkwürdig, es anonym zu machen“, sagt er. Auch die Gewerkschaft stecke nicht hinter dem Schreiben. „Wir wissen nicht, von wem es kommt.“ Den im Raum stehenden Vorwurf, Verdi habe den Fall in die Öffentlichkeit gebracht, weist er zurück. Die Öffentlichkeit habe Hanson selbst hergestellt, so Riedl, weil das Arbeitsgericht Elmshorn in mehreren Verfahren im Zuge von Stadtwerkemitarbeitern bemüht wurde, um wieder Ordnung in den kommunalen Betrieb zu bringen.
„Die E-Mail ist nicht von uns gekommen. Wir halten den Inhalt für fragwürdig“, betont der Stadtwerke-Betriebsratsvorsitzende Tobias Heilmann. Es werde das Bild aufgebaut, dass die Belegschaft hinter Hanson stehe. Das sei nicht der Fall.
Hanson hat indes eine andere Wahrnehmung: „Die Stimmung bei uns im Unternehmen ist grundsätzlich gut. Man könnte sagen: Alle haben die Ärmel hochgekrempelt und packen mit an“, sagt er. Bei Erneuerungs- und Modernisierungsprozessen gebe es aber zwangsläufig immer auch unterschiedliche Meinungen und vereinzelt Kritiker, die ihre gewohnten Pfade, die sie kennen, nicht verlassen oder alte, vermeintliche „Besitzstände“ nicht angetastet wissen wollten. Auch diese vereinzelten Kritiker wollten begeistert und motiviert werden. „Auch dabei sind wir auf einem guten Weg“, sagt Hanson.
Wie dem auch sei: Der Eklat um den Pinneberger Stadtwerkechef hat eine Menge Staub in der Bevölkerung aufgewirbelt und zieht Kreise. „Es hat einen Nebeneffekt. Die Eintritte von Mitarbeitern aus anderen Stadtwerken im Kreis Pinneberg bei Verdi sind sprunghaft angestiegen“, sagt Riedl.
