585 Autos fahren im Kreis Segeberg mit Strom

Die Zahl der Fahrzeuge mit Elektroantrieb steigt. Das Netz der Ladesäulen wird dichter. Viele
laden ihre umweltfreundlichen Wagen zu Hause auf

KREIS SEGEBERG

 Nach Jahren der Stagnation nimmt die Elektromobilität im Kreis Segeberg Fahrt auf. Die Zahl der batteriebetriebenen Autos steigt sprunghaft: Am 31. Dezember 2018 fuhren 357 Elektroautos über die Straßen des Kreises, am 17. Dezember 2019 waren es schon 585. In Norderstedt steuern 180 Autofahrer ein E-Mobil, 70 mehr als vor knapp einem Jahr. Der Anteil der Stromer am gesamten Pkw-Bestand liegt im Kreis Segeberg bei 0,36 und in Norderstedt bei 0,38 Prozent. Damit liegen Stadt wie Kreis hauchdünn über dem Bundesschnitt von 0,34 Prozent.

„Bei uns hat sich die Zahl der Elektroautos binnen Jahresfrist sogar von 8 auf 16 verdoppelt“, sagte Elleraus Bürgermeister Ralf Martens, als er jetzt die neue Ladesäule einweihte. Die Zapfstelle steht zentral im Ort, am Rand des Parkplatzes am Berliner Damm, wo die Kunden Aldi, Edeka, den Wochenmarkt und die umliegenden Geschäfte und Dienstleister ansteuern. „Wir haben uns bewusst für diesen Standort entschieden, weil die Autofahrer einkaufen oder einen Kaffee trinken können, während ihre Fahrzeuge Kraft für weitere Kilometer tanken“, sagte Martens.

Die Ladestation soll nicht nur den Autofahrern in der Region zugute kommen, einen Tankstopp sollen und können auch alle einlegen, die auf der Durchreise sind, schließlich ist der Weg zur Autobahn 7 kurz. Eine weitere öffentlich zugängliche Ladesäule steht nur wenige Meter weiter bei Elektro Bollmann.

Die Stadtwerke Quickborn betreiben die neue Anlaufstelle für Elektromobilisten. „In die Tanks fließt zu 100 Prozent Ökostrom, Sonnen-, Wind- und Wasserenergie“, verspricht der Bürgermeister. 22 Kilowattstunden liefert die Zapfsäule, jede Kilowattstunde kostet 37 Cent plus einen kleinen Betrag als Dienstleistungspauschale. 12.000 Euro hat die Ladestation gekostet, 7500 kommen als Zuschuss vom Kreis. Die Kosten für den Betrieb von 400 Euro im Jahr übernimmt die Gemeinde.

 „Der Ausbau der Stromtankstellen ist sicher ein Grund dafür, dass sich immer mehr Autofahrer für ein batteriebetriebenes Fahrzeug entscheiden“, sagt Heiko Birnbaum, Klimamanager des Kreises Segeberg. Das Netz der Ladestationen wächst kontinuierlich: Vor drei Jahren verloren sich ganze 16 Ladesäulen im Kreisgebiet, Ende 2017 waren es 26. Aktuell verzeichnet die Karte 62 Standorte mit überwiegend zwei Zapfsäulen, sodass insgesamt 112 mit Strom angetriebene Autos gleichzeitig betankt werden können.

Einer, der zu den Pionieren der Elektromobilität in der Region zählt, ist Martin Oster. Seit 2016 ist er in einem Renault Zoë unterwegs und ist mehr als zufrieden mit dem Umstieg vom Spritverbraucher auf sein batteriebetriebenes Fahrzeug. Selbst vor längeren Strecken scheut der E-Mobilist nicht zurück: „Wir sind im vorigen Jahr an den Bodensee gefahren, immerhin gut 880 Kilometer, und wir sind entspannt angekommen.“ Die stressfreie Fahrt hat ihren Grund darin, dass er sieben Tankstopps einlegen musste. Jeweils eine halbe Stunde hing sein Auto an der Zapfsäule, ausreichend Zeit, um Kaffee zu trinken und zu regenerieren. „Eine solche Reise braucht natürlich Geduld und Zeit“, sagt Oster.

Inzwischen habe sich die Reichweite allerdings deutlich verbessert, laut ADAC-Test schafft der Franzose 390 Kilometer mit einer vollen Batterie. „Insgesamt geht die Fahrzeugindustrie in die Offensive. Auch die anderen Hersteller bringen neue Modelle auf den Markt, die längere Strecken ohne Nachladen schaffen“, sagt Segebergs Klimamanager Heiko Birnbaum, der mit einer weiteren Zunahme der E-Mobilität rechnet. Die verbesserte Reichweite erhöhe den Reiz, auf einen umweltschonenden Antrieb umzusteigen. Zusätzlich motivierend wirke die Förderprämie des Bundes – sie soll für reine E-Autos von 4000 auf 6000 Euro bei einem Nettolistenpreis der Fahrzeuge von maximal 40.000 Euro steigen (siehe Info-Kasten). „Im Unterschied zu den Autobahnen ist das Netz der Ladestationen in Norderstedt relativ gut. Vor allem in Garstedt und Glashütte kann man sein Auto auftanken und währenddessen einkaufen oder andere Dinge erledigen, weil die Wege kurz und gut zu Fuß zu erledigen sind“, sagt Martin Oster, der sein Fahrzeug von März bis Oktober an der heimischen Steckdose auflädt. Das gilt, so Birnbaum, für die überwiegende Zahl der E-Auto-Besitzer: „Nur rund 20 Prozent der Aufladungen geschehen an einer der öffentlich zugänglichen Ladesäulen.

Der Kreis fördert den Aufbau der Stromtankstellen weiter mit 7500 Euro pro Station, für Schnelllade-Stationen gibt es 25.000 Euro Zuschuss. Infos bei Heiko Birnbaum, 04551/9519522, und Lisa Bern-Siefert, 04551/9519561. Auf der Internetseite www.goingelectric. de/ stromtankstellen können sich Autofahrer informieren, wo es im Kreis Segeberg E-Ladesäulen gibt und wie dort bezahlt wird.