Norddeutsche Energiewende mit Chancen und Risiken
Mit 60 beteiligten Institutionen suchen Hamburg und Schleswig-Holstein nach Wegen, um bis
2035 eine komplette Energiewende zu schaffen
HAMBURG
Hamburg und Schleswig-Holstein sind mit ihren Projekten für eine gemeinsame Energiewende auf einem guten Weg, doch gibt es auch erhebliche Probleme. Das ist die Zwischenbilanz nach drei Jahren Laufzeit des Großprojekts Norddeutsche Energiewende NEW 4.0. „Die Energiewende ist machbar, aber sie wird nicht einfach“, sagte Projektleiter Prof. Werner Beba von der Hochschule HAW in Hamburg bei einer Konferenz mit den Beteiligten des Projekts.
Es sei das Ziel, Entwicklungspfade für eine hundertprozentig sichere Energieversorgung auf regenerativer Basis bis 2035 zu finden. „Wir wollen wirksamen Klimaschutz in einem funktionierenden Markt, die Akzeptanz steigern und regionale Wertschöpfung schaffen.“ In Feldversuchen und Demonstrationsanlagen seien technische Lösungen erprobt worden, die dabei helfen könnten. Dazu zählen zum Beispiel Batteriespeicher und Wasserstoff ebenso wie das Leistungsmanagement bei großen Stromabnehmern wie Fabriken der Grundstoffindustrie. Sie hätten ein erhebliches Potenzial, um mit flexibler Stromabnahme die Stabilität der Versorgung zu verbessern.
Beba und andere Referenten kritisierten vor allem unbefriedigende regulatorische Rahmenbedingungen, die einer wirtschaftlichen Energiewende entgegenstünden. Dabei geht es etwa darum, dass auch auf regenerativ gewonnenen Strom, der zur Erzeugung von Wasserstoff genutzt wird, die EEG-Abgabe zu entrichten ist.
„Dieses Projekt wird erfolgreich abgeschlossen“, sagte der Hamburger Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) zu NEW 4.0. „Was ist die Erkenntnis? Wirtschaftlich sind die Projekte nicht angesichts der Rahmenbedingungen.“ Die Regulatorik müsse sich ändern, sonst werde die Klimawende kein Erfolg. So müsse zum Beispiel der Ausbau-Deckel bei der Offshore-Windenergie aufgehoben werden, und zwar nicht nur wie geplant auf 20, sondern gleich auf 50 Gigawatt.
Auch die beiden schleswig-holsteinischen Minister Bernd Buchholz (FDP/Wirtschaft) und Jan Philipp Albrecht (Grüne/Umwelt) verwiesen auf die Probleme durch den politisch gesetzten Rahmen. „Die Umwandlung von Strom in Speichermedien, Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe müssen zur Energiewende gehören“, sagte Buchholz. Wenn es gelänge, den Norden als Erzeugerland und die Millionenmetropole Hamburg als Verbraucherland zu einer regenerativ versorgten Region zusammenzuspannen, dann wäre das eine wichtige Nachricht für die ganze Welt. In Berlin seien jedoch noch einige Hausaufgaben zu erledigen. So fehle eine nationale Wasserstoffstrategie.
Ein Vertreter des Bundeswirtschaftsministeriums verwies dagegen auf die jüngsten Beschlüsse zur Klimapolitik, die gerade abschließend beraten werden. Die Regeln und CO2 -Preise müssten für alle gelten. In das Projekt NEW 4.0, das 2020 abgeschlossen werden soll, sind bislang rund 40 Millionen Euro öffentliche Fördermittel geflossen. Die gesamten Investitionen bezifferte Beba auf rund 200 Millionen Euro.
