Immer weniger Kohle-Strom

Energiewirtschaft erklärt Atomdebatte für beendet

BERLIN

Kohle-Strom verliert schneller als gedacht an Bedeutung. Die Energiewirtschaft senkt ihren Kohlendioxid- Ausstoß in diesem Jahr um 16 Prozent. Das berichtete ihr Verband BDEW. In absoluten Zahlen sind das 51 Millionen Tonnen, die die Branche dieses Jahr weniger als 2018 freisetzt. Als wichtigster Grund gilt der Rückgang der Nutzung von Stein- und Braunkohle. Gleichzeitig ist die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien um 9 Prozentpunkte auf einen Anteil von 43 Prozent am Strommix gestiegen. Die Vorsitzende der Verbandsgeschäftsführung, Kerstin Andreae, führte die Entwicklung auf die teureren Emissionsrechte und die Witterung zurück; Energieunternehmen unterliegen dem europäischen Handel mit Emissionzertifikaten, deren Preise zuletzt deutlich gestiegen sind. "Dieses Instrument wirkt", sagte Andreae, die seit Anfang November für den Verband arbeitet.

Andreae warnte davor, den Ausbau der Windenergie an Land weiter zu verschleppen, nachdem dieser in diesem Jahr fast zum Erliegen gekommen ist. Lange Genehmigungsverfahren und viele Klagen haben den Bau weiterer Windräder blockiert. Im geplanten Kohleausstiegsgesetz sind Regelungen zum Abstand von Windrädern zur Wohnbebauung vorgesehen, die auf viel Kritik gestoßen sind. Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) diese Woche im Bundestag erläuterte, sollen offene Fragen zu Genehmigungen, ausgewiesenen Gebieten, Abstandsregeln und Ausschreibungsmodalitäten bis März geklärt werden. Andreae sprach sich dagegen aus, dieses Thema aus dem Kohleausstiegsgesetz auszukoppeln. Ein Herunterfahren der Kohle funktioniere nur, wenn Erneuerbare heraufgefahren würden.

Die Debatte über längere Laufzeiten für Atomkraftwerke löste heftige Reaktionen bei der früheren Grünen-Politikerin aus. Kein Energieunternehmen habe darauf Lust. Es sei unfassbar, dass wieder darüber geredet werde. Deutschland habe den Atomausstieg aus guten Gründen beschlossen. Es gebe keine Endlagerlösung, es gebe auf der ganzen Welt kein wirtschaftliches Atomkraftwerk, es gebe ein Sicherheitsproblem. Der CDU-Wirtschaftspolitiker Joachim Pfeiffer hatte den 2011 nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima beschlossenen Atomausstieg diese Woche in Frage gestellt.