Bauern beziehen Position
Gestern trafen sich Landwirte aus Angeln und Schwansen nahe der Kappelner Schleibrücke. Gemeinsam setzten sie ein Zeichen gegen die aktuelle Agrarpolitik.
KAPPELN
Über soziale Netzwerke hatten sie sich verabredet. Sie standen entlang der B 203 in Holzdorf, Dörphof, Karby, Brodersby und schließlich auch in Kappeln. Auf dem Parkplatz vor der Schleibrücke trafen gegen 16.30 Uhr mehr und mehr Trecker ein, nahmen Aufstellung mit strahlenden Scheinwerfern. Insgesamt kam am Ende ein Dutzend zusammen. Die Landwirte aus Angeln und Schwansen wollten damit ein Zeichen des Protestes gegen die aktuelle Agrarpolitik der Bundesregierung setzen. 30 Minuten lang blieben sie so stehen und leuchteten in die Dunkelheit.
„Wir wollen gehört werden“, sagte Andreas Bruhn, Landwirt in Sandbek. „Wir wollen, dass die Politiker mit uns reden und uns vorher, bevor sie etwas entscheiden, einfach mal fragen.“ Im Kern geht es um den Vorstoß der Bundesregierung, einen reduzierten Düngereinsatz in der Landwirtschaft durchzusetzen. So soll etwa in Gebieten, in denen besonders viel Nitrat im Grundwasser festgestellt wird, der Düngereinsatz um 20 Prozent reduziert werden. Viele Landwirte sehen sich dadurch in ihrer Existenz bedroht. Auch Bruhn sagte gestern: „Ich habe drei Millionen Euro in meinen Hof investiert – und jetzt kann ich meinen Kinder womöglich keine Perspektive bieten.“ Der Landwirt äußerte Verständnis für die Nitrat-Problematik und die Belastungen für das Grundwasser – aber: „Diese Entscheidung ist trotzdem nicht durchdacht. Sie muss mit den Landwirten gemeinsam getroffen werden.“
Das sieht Franz Wick ganz genauso. Der Bauer betreibt seinen Hof in Weidefeld und ist überzeugt von der Qualität, die er und seine Kollegen liefern. „Wir sind für die Volksernährung da“, sagte Wick gestern. „Unsere Leistung muss honoriert werden.“ Derzeit habe er allerdings eher den Eindruck, dass man landwirtschaftliche Betriebe mit Gewalt kaputt machen wolle.
Für die Bauern ist in dieser für sie kritischen Zeit derweil trotz des ernsten Hintergrunds offenbar ein neues Solidaritätsgefühl gewachsen, auch das betonte Andreas Bruhn gestern. Er hatte selbst mit seinem Trecker an der Großdemo in Berlin teilgenommen – schon auf der Fahrt dorthin habe er an der Strecke viele Menschen erlebt, die ihm das Zeichen „Daumen hoch“ mit auf den Weg gegeben haben. Und in Berlin selbst? „Das waren 6000 Trecker, und alle wollten dasselbe“, sagte Bruhn. „So eine Gemeinschaft habe ich in 39 Berufsjahren noch nicht erlebt.“
Gestern waren es zwar in paar weniger Maschinen, aber das Gemeinschaftsgefühl war wenigstens so ausgeprägt. Andreas Bruhn wusste, warum: „Es geht ums Ganze.“
