Startschuss zur Wasserwende
Sylter Wasserversorger, Landschaftszweckverband und Sylt Marketing unterstützen die Ziele des Vereins „A tip: tap“
WESTERLAND
Sylt steht vor der „Wasserwende“: Mit finanzieller Unterstützung des Bundesumweltministeriums will der Verein „A tip: tap“ den Konsum von Leitungswasser fördern. Auf der Insel stieß der Vorschlag auf offene Ohren: Die Wasserversorger, der Landschaftszweckverband und das Sylt Marketing sind Projektpartner.
„Leitungswasser ist deutschlandweit von so guter Qualität, dass es als Trinkwasser genutzt werden kann“, erklärte Samuel Höller, Mitarbeiter des Vereins aus Berlin. „Vielleicht sogar besser kontrolliert als Mineralwasser“, ergänzte seine Gelsenkirchener Kollegin Alexandra Jaik. Trotzdem habe sich der Konsum von Mineralwasser in Flaschen in den letzten 40 Jahren verzehnfacht. Jeder Deutsche trinke im Jahresschnitt 150 Liter Mineralwasser, während es im EU-Durchschnitt nur 100 Liter seien.
Dabei habe Leitungswasser viele Vorteile, argumentiert der Verein. Es spart nicht nur Transportkosten und Verpackungsmüll, sondern auch eine Menge Geld. Für einen Euro gäbe es rund fünf Liter Mineralwasser in Flaschen, aber 200 Liter Leitungswasser, wenn man die Kosten für Frischwasser und Abwasser zusammenrechnet.
Dass beim Konsum von Leitungswasser auch viel Einwegplastik gespart wird, sei gerade auf Sylt ein wichtiges Argument. Weil es auf Sylt bereits die Initiativen „Byebye, Plastik“ und Recup-Kaffeebecher gibt, sei „a tip: tap“ (englisch: „ein Tipp: Leitungswasser“) ein konsequenter nächster Schritt.
Der Verein sei vor zehn Jahren gegründet worden und habe sich als erstes für öffentliche Trinkwasserbrunnen in Berlin eingesetzt, berichtete Samuel Höller. Als nächstes seien Wasserspender in Schulen installiert worden, damit die Kinder kein Geld für Wasser in Plastikflaschen ausgeben müssen. Die Information von Schülern sei ein großes Anliegen von „a tip: tap“ – und bei den jungen Leuten stößt die Initiative auf große Unterstützung, weil sie auch den Klimaschutz fördert.
Sylt gehört künftig zu den zwölf „Wasserquartieren“ des Vereins. Startschuss für das Projekt ist am Weltwassertag am 22. März 2020. Sylter und Gäste sollen zum Umstieg auf Trinkwasser aus der Leitung angeregt werden. Für dieses Ziel wird sogar eine festangestellte Kraft gesucht. Ein Mitarbeiter soll in Teilzeit (ca. 14 Stunden in der Woche) möglichst viele Menschen für Trinkwasser aus der Leitung begeistern. Zu den Aufgaben gehören Infostände und Workshops, Bildungsangebote in Schulen und Kindergärten, die Vernetzung mit anderen Sylter Akteuren und die Öffentlichkeitsarbeit.
„Die Gäste haben eine Erwartungshaltung an uns als Gastgeber“, erklärte Sylt-Marketing-Chef Moritz Luft, „einige sind schon weiter als wir.“ Seine Botschaft: „Wir haben hier ein hervorragendes Wasser, bitte setzt es auch als Trinkwasser ein.“ Als Beispiel für Trinkwasser-Marketing nannte Luft den Kampener Appartementvermieter Markus Wenzel, der in seinen Ferienwohnungen mit kleinen Aufstellern auf die Trinkwasserqualität hinweist und Glasflaschen zum Mitnehmen bereitstellt. Aber auch für die Gastronomie sei Trinkwasser ein interessantes Produkt. „Trinkwasser ist unser Lebensmittel Nummer eins“, erklärte EVS-Chef Georg Wember. „Daher unterstützen wir das Projekt gerne.“ Sein Unternehmen fördere die Ausstattung von Schulen und Kindergärten mit Wasserspendern, um die Kinder von Süßgetränken fernzuhalten. In den Norddörfern setzte sich die VEN für den Trinkwasserkonsum ein, erläuterte VEN-Chef Björn Hansen. Vor drei Jahren wurde die Norddörfer Schule mit einem Wasserspender ausgestattet, vor zwei Jahren der Kindergarten Braderup.
Der Umstieg sei auch wichtig für den Umweltschutz, ergänzte Sylts neue Klimaschutzmanagerin Dr. Catharina Bayerlein. Jeder, der auf Trinkwasser umsteigt, spare 30 Kilogramm CO2- Ausstoß pro Jahr. Mit einer Sylter Nachhaltigkeitsflasche soll das Projekt weiter gepusht werden. Sie kommt zum Syltlauf am 15. März 2020 in einer Metall- und einer Glasvariante in den Handel, gestaltet von Sonni Hönscheid. Dass der steigende Trinkwasserkonsum die Sylter Trinkwasserversorgung an ihre Grenzen bringt, muss niemand befürchten. „Man kann die Sylter Süßwasserlinse nicht leertrinken“, erklärte Georg Wember. ‚Ein Liter am Tag fällt überhaupt nicht ins Gewicht.“
