E-Autos: Werkstätten fordern Hilfe vom Staat
Kfz-Landesverband wehrt sich gegen einseitige Förderung für Hersteller – Elektrofahrzeuge bei Neuzulassungen weiter schwach
KIEL
Trotz erheblicher Kaufanreize kommt die Elektromobilität in Schleswig-Holstein nur mühsam voran. Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) in Flensburg wurden von Januar bis Ende Oktober im Land lediglich 1821 E-Autos neu zugelassen. Das ist zwar mehr als 2018 (mit 1335 Neuzulassungen im gesamten Jahr), doch mit einem Anteil von 2,4 Prozent aller Neuzulassungen ist der E-Anteil noch immer verschwindend gering. Etwas besser sieht es bei Hybridfahrzeugen aus, die auf 4211 der insgesamt 75651 Neuzulassungen kommen – ein Anteil von 5,5 Prozent. Nach wie vor muss man E-Autos auch im Norden noch mit der Lupe suchen: Anfang dieses Jahres waren in Schleswig-Holstein insgesamt gerade 3090 E-Autos zugelassen, das entspricht einem Anteil von nicht einmal 0,2 Prozent und liegt damit ziemlich genau im Bundesdurchschnitt. Doch klar ist auch: Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Elektromobilität zu einem Massenphänomen wird. Dazu beitragen sollen auch die von der Bundesregierung geplanten Fördermaßnahmen. Genau die bringen jetzt das Kraftfahrzeuggewerbe im Land auf die Zinne: „Es ist schwer zu verstehen, dass die Automobilhersteller 1,2 Milliarden Euro aus Berlin bekommen und unsere Betriebe leer ausgehen“, sagt Nina Eskildsen, Präsidentin des Landesverbandes des Kraftfahrzeuggewerbes. Der Verband spricht von „Ungleichbehandlung“ und fordert von der Politik „Gehör und Unterstützung für den bevorstehenden Wandel“. Und diese Unterstützung solle „durchaus in Euro und Förderprogrammen stattfinden“, so die Verbandspräsidentin. Schließlich sei das Kfz- Gewerbe die Schnittstelle zum Kunden: „Von uns hängt es ab, ob Elektromobilität in der Fläche ein Erfolg wird.“ Aktuelle Förderprogramme seien für Kfz- Betriebe oftmals ungeeignet, während die Industrie milliardenschwere Zuschüsse erhalte, moniert Eskildsen. Sie verweist auf das wirtschaftliche Gewicht von Herstellern und Handel. Rund 180 Milliarden Euro würden jährlich bundesweit im Kfz-Gewerbe umgesetzt und mehr als 440000 Mitarbeiter beschäftigt. Die deutsche Automobilindustrie komme mit rund 480000 Beschäftigten nur auf unwesentlich mehr. „Wir sind also genauso systemrelevant wie die Automobilindustrie.“ Allein in Schleswig-Holstein habe das Kfz-Gewerbe rund 16400 Beschäftigte und erwirtschafte einen Jahresumsatz von rund 6,3 Milliarden Euro. Wenn die Elektromobilität durchgesetzt werden soll, müssten die Kfz-Betriebe „genauso Geld in die Hand nehmen wie die Hersteller“, so Eskildsen. Notwendig seien erhebliche Investitionen in Lade- und Werkstattinfrastruktur sowie in die Mitarbeiterqualifizierung. „Pro Betriebsstandort kommen da schnell bis zu 200000 Euro zusammen“, sagt Jan- Nikolas Sontag, Geschäftsführer des Verbandes. Das Verhalten der Hersteller gegenüber dem Handel sieht er zwiespältig. „Die Hersteller werden diese Fahrzeuge ab nächstem Jahr schon wegen der CO2-Flottenziele in den Markt drücken.“ Für die Hersteller gehe es um Milliarden an Kaufprämie, die der Bund bereitstellt und „von denen der Handel nichts hat“. Zudem geht es um die Milliarden, die die Hersteller an Strafzahlungen an die EU leisten müssten, wenn sie die ab 2020 neu vorgegebenen Grenzwerte mit ihren Flotten nicht einhalten können. Für das Kfz- Gewerbe gehe es darum, seine wirtschaftliche Position abzusichern. Sontag: „Wir müssen sehr aufpassen, dass die Verbreitung der Elektromobilität nicht zu Lasten des Handels geht.“ Das Wirtschaftsministerium hält es für keine gute Idee, zur Förderung der Elektromobilität noch mehr Geld zu verteilen. Minister Bernd Buchholz (FDP): „Nicht zuletzt angesichts der zuletzt guten wirtschaftlichen Situation der Kfz-Werkstätten halte ich diese Forderung für falsch.“ Ohnehin sei eine selektive Förderung von Batterieautos mit Steuergeldern „ökonomisch ineffizient und nicht technologieoffen“ – egal, ob die Hersteller von der Förderung profitierten oder das Kfz-Gewerbe. Gebremst wird der Verkauf von E-Autos nicht nur durch die lückenhafte Ladeinfrastruktur, sondern auch, weil die Höhe der Kaufanreize noch offen ist. Das Bundeskabinett hatte vor wenigen Wochen beschlossen, den sogenannten Umweltbonus zu erhöhen. Doch ab wann die höheren Zuschüsse gelten, ist noch immer offen.
